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Ladyhawke

Im Interview: Kontrollverlust

06.03.2009, 11:16, Text: Jürgen Dobelmann, Foto: Sandra Stein
[1 Kommentar]

Auch wenn sie mit bald dreißig nicht wie allerorts vermutet die nächste Youngsterin ist, die mit poppig-smart produzierten Eighties-Sounds die New Raves aufwühlt, so ist Ladyhawke vielleicht gerade deswegen das ideale Bindeglied zwischen Robyn, Lily Allen und Little Boots. Jürgen Dobelmann traf die Neuseeländerin.

Alle wissen alles. Hat ja auch was Gutes. Im Falle Ladyhawke sorgte die netzbedingte rasante Verbreitung persönlicher Informationen allerdings dafür, dass sich Phillipa "Pip" Brown, wie sie bürgerlich heißt, seit vergangenem Herbst in jedem Interview zu dem bei ihr diagnostizierten "Asperger Syndrom" äußern muss (was sie hasst), anstatt über ihre Musik zu sprechen (was sie viel lieber täte).


Zugegeben: Wüsste man nichts über ihre "leichte Form des Autismus", so würde man Pip ganz einfach nur für eine sensible, sympathisch-zurückhaltende Sängerin aus Neuseeland halten, die wie jede Künstlernatur ihre drolligen Marotten hat. Man würde sich schlichtweg überhaupt keine Gedanken machen, warum ihre Live-Auftritte vergleichsweise kurz sind und sie oft - obgleich nachdrücklich herbeigeklatscht - keine Zugaben spielt.



Warum sie weder Artikel noch Reviews über ihre Musik liest und auch schon mal in Tränen ausbricht, wenn sie eine böse MySpace-Nachricht bekommt. Und warum sie mit einem Topteam qualifizierter Hit-Produzenten zusammenarbeitet, die Chartspositionen ihrer Veröffentlichungen aber mangels Eigeninteresse eher zufällig von Journalisten erfährt. Doch seit sie ihre Krankheitsgeschichte vor einem halben Jahr einer britischen Zeitung anvertraute, erscheinen manche Gepflogenheiten der Endzwanzigerin in einem anderen Licht. Oder?

"Mir tut es oft leid, dass ich die Leute bei Konzerten etwas enttäusche", gibt sich Pip zerknirscht, "aber manchmal kann ich einfach nicht mehr zurück auf die Bühne." Klar. In unserer unerbittlichen Value-for-money-Welt, in der Konzertgängern stets das Grundbedürfnis eingeredet wird, eine musikalische Abendveranstaltung unter einer Netto-Spielzeit von 120 Minuten (vielen Dank, Bruce Springsteen) wäre fast ein Grund für eine Eintrittsgeld-Rückerstattung, ist ein Headline-Set von knapp einer Stunde eher die Seltenheit. Doch wenn Pip als Ladyhawke auf der Bühne steht und mit entrückter Hazel-O'Connor-Mimik, Little-Steven-Bandana und Duran-Duran-ca.-1984'esker Backing-Band ihre Hits unter das junge Hipster-Folk bröselt, kann man die allgemeine (Pop-) Glückseligkeit fast mit den Händen greifen. Hooklines, Hooklines, Hooklines. Dass es da manch einem die Laune verhagelt, wenn sie sich vermeintlich verfrüht auf Nimmerwiedersehen Backstage verkrümelt, ist nicht weiter verwunderlich.



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aus Intro #169 (März 2009)
 
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  • User: Hauptmann Fuchs
  • Hauptmann Fuchs 06.03.2009 | 22:25:05
    zur Klärung eines Sachverhalts
    Jürgen Dobelmann ist vielleicht das ideale Bindeglied zwischen Beckmann, dem Bild-Chefredakteur und und diesem ex-Vanity-Fair-Chefredakteur. Ladyhawke traf den Deutschen. dem man whrscheinlich noch dankbar sein muss, dass er wenigstens keine björk- und hole-vergleiche gebracht hat.

    "ist ein Headline-Set von knapp einer Stunde eher die Seltenheit"? wohl schon lange in keinem nicht-stadion-konzert mehr gewesen?

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