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Sinden

Regel Nummer eins: Sei Entertainer!

15.01.2009, 10:34, Text: Arno Raffainer

Graeme Sinden wuchs in Satellitenstädten rund um London auf. Clubs gab es keine, dafür aber unzählige Piratensender, durch die der kleine Grame immer wieder hektisch herumzappte. HipHop, Funk und die Rhythmen von Drum'n'Bass waren seine wichtigsten Einflüsse. Was der Rest der Welt damals unter Dance Music verstand, hat ihn aber nie besonders interessiert, erzählt er. Vermutlich ist er gerade deswegen einer der Protagonisten, die mit Hits wie "Beeper" von The Count And Sinden das englische Clubgeschehen derzeit ordentlich aufmischen. Arno Raffeiner hat Graeme Sinden am Telefon erwischt, um anlässlich seines DJ-Mixes für Fabric abzugleichen, was sich in Zeiten des globalisierten Partysounds im Nachtleben der Old-Europe-Metropole London so tut.

Graeme, du bist bekannt dafür, in deinen DJ-Sets einen wilden und hochenergetischen Stilmix zu zelebrieren. Siehst du dich mit dieser Bandbreite denn als Teil der globalen Bassmusik: Ghettotech, Funk Carioca, Kuduro, Township Funk, Baltimore Club...?
Yeah yeah, schon. Es kommt gerade eine neue Generation auf, die davon beeinflusst ist, was überall auf der Welt passiert. Es geht heute viel weniger darum, Teil einer Szene zu sein. Auch wenn man das mittlerweile vielleicht als eine Szene bezeichnen kann, ist es stilistisch noch ziemlich offen. Wir verlassen uns auf keine festgeschriebenen Genres. Das macht es sehr aufregend. Du weißt einfach nie, was als nächstes passiert. Mit der Möglichkeit, Musik über das Internet überall auf der Welt zu verbreiten, sind alle immer schnell auf dem neuesten Stand. Daher können Ideen wachsen, in verschiedensten Städten Europas und überall auf dem Globus kann etwas sehr schnell aufgegriffen und adaptiert werden, um daraus ein eigenes Ding zu machen.


War 2008 auch in deinen Augen das Jahr, in dem diese Musik ihren Durchbruch erlebte?
Es war definitiv ein wichtiges Jahr."Township Funk" von DJ Mujava wurde hier beispielsweise auch tagsüber im nationalen Radio gespielt, was für ein Stück Tanzmusik ohne Gesang ziemlich selten ist. Überhaupt ist das ein spezieller Track. Es war echt eine Überraschung, dass ein afrikanisches Kwaito-Stück derart bejubelt wurde, nicht nur von Dance-DJs, sondern zum Beispiel auch von den Programmmachern bei Radio 1. Das ist ein Riesenerfolg! Und immer mehr neue Tracks schaffen diesen Crossover. Hier gibt es gerade einen großen Boom von einem Ding namens "Funky House". Im Grunde werden da alte Masters-At-Work-Platten nachgeahmt: lateinamerikanische, gebrochene Beats, ziemlich afromäßig. Das ist der Sound, der das nächste Jahr beherrschen wird. Noch ist Funky House ein totales UK-Ding und nicht wirklich in anderen Ländern rumgekommen, aber nächstes Jahr werdet ihr bestimmt davon hören.

Wäre dieses Phänomen vor, sagen wir, fünf Jahren auch in der Form möglich gewesen?

Nicht wirklich. Das ist sehr beeinflusst vom Jetzt, von der Zeit, in der wir leben. Ich weiß nicht, ob das vor fünf Jahren funktioniert hätte. Damals war die Musik gar nicht bereit dafür. Ich persönlich fand Tanzmusik früher nie besonders interessant. Kaum jemand ist die Risiken eingegangen, die jetzt eingegangen werden. Aktuell gibt es sehr kreative Dance Music, die keinen Mustern oder Formeln folgt. Dabei kann das sehr minimal sein oder an ganz simplen Hooks aufgehängt. Ich denke, die Musik wird derzeit einfach immer besser.



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)
 
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