WhoMadeWho
Im Interview: Ein Stück Evolutionsgeschichte
02.03.2009, 10:10, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Julian Baumann
WhoMadeWho hatten in München viel zu tun: Nachmittags stellten sie sich den Fragen zum neuen Album "The Plot", zur Kooperation mit dem Label Gomma und zum Grund für ihre Verkleidungen. Nachts rockten sie die Crowd in der Registratur. Und am nächsten Morgen bat Julian Baumann zur Fotosession nebst Dammwild in Poing. Intro-Couch-Potato Wolfgang Frömberg ließ sich nicht abschütteln und schreibt ein Stück Evolutionsgeschichte.
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WhoMadeWho? Klingt, als wüssten sie um den Teufelskreis, in dem sie stecken. Charles Darwins 200. Geburtstag und die Pro-Evolution-Intro-Tierausgabe (für dieses Heft wurden keine Tiere gequält oder getötet) provozieren die Frage: Wer war zuerst da - die Henne oder das Ei?
"God made man / But he used the monkey to do it / Apes in the plan / We're all here to prove it." (Devo)
Auch für WhoMadeWho gilt also: Mach dich hemmungslos zum Affen! Auftritt in der Münchner Registratur. Beim Gig nach dem Heimspiel von Munk, der Band um Gomma-Mitbetreiber Mathias Modica, wird deutlich, dass Jeppe Kjellberg, Tomas Barford und Tomas Hoffding stark an ihrer Appearance gefeilt haben. Auf der kleinen Bühne des mit jungen Menschen in Ausgehgarderobe gefüllten Ladens zeigen WhoMadeWho, wie professionell sie inzwischen energetische Live-Dynamik verkörpern, auch wenn sie in ihren Harlekin-Kostümen wie Clowns anmuten.
Das Set ist ein Medley von Hits plus Tracks aus dem neuen Album "The Plot". Bassist und Sänger Hoffding posiert am Bühnenrand wie ein Stadionrocker, die Arme mit einem Schmunzeln auf den Lippen pathetisch in die stickige Luft gereckt, Gitarrist Jeppe Kjellberg klettert wagemutig auf den Verstärker, Drummer Tomas Barford hält dem Groove nonstop die Stange. Wenn die Falsett-Stimmen den "No, no, no"-Refrain von "TV Friend" oder die Bridge aus "This Train" intonieren, braust der auf den Alben doch eher ausdifferenzierte Sound zu einer wirkmächtigen New-Rave-Wave auf, von der sich die Menge tragen lässt.
Nicht nur in Anspielung auf den von Angus Young & Co. entlehnten Bandnamen kommt einem die Assoziation, man habe es mit einer Mischung aus AC/DC und Hot Chocolate zu tun. Oder Donna Summer? Das eklektische Potpourri scheint den Beweis zu erbringen, dass sich die Fülle der Erfahrungen aus der Pop-Evolution mit der nötigen Abgeklärtheit in 45 Minuten zur Schau stellen lässt. Wobei die Inszenierung auf einen Masterplan verweist, den es vermutlich gar nicht gibt. Oder ist eben gerade diese in der Schwebe gehaltene Coolness als Politik der Band zu bezeichnen? Falls ja: Welches Programm mag sich hinter dem Affenzirkus von WhoMadeWho verbergen?
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