...Trail Of Dead
Exklusiv: Im Museum mit Conrad Keely
19.02.2009, 14:49, Text:
Thomas Venker, Foto: Sandra Stein
"The Century Of Self" heißt das neue Album der texanischen Rockerneuerer. Das könnte auch gut der Titel einer Kunstausstellung sein. Und da Conrad Keely, der gemeinsam mit Jason Reece die Doppelspitze der Band stellt, immer öfter auch als Maler in Erscheinung tritt, besuchte Thomas Venker mit ihm zwei Ausstellungen im Museum Ludwig.
Der Mensch neigt dazu, sich anderer Menschen viel zu schnell gewiss zu sein. Da macht es keinen Unterschied, wie nah er diesen wirklich kommt. Manchmal reicht schon ein Satz, selbst wenn dieser zu Uhrzeiten fällt, zu denen es per Gesetz verboten sein sollte, sowohl E-Mails oder SMS schreiben als auch Gespräche führen zu dürfen.
Manchmal reicht bereits der äußere Eindruck. Gerade bei Künstlern, die man in der Regel nicht persönlich zu fassen bekommt, geht das ziemlich schnell: Arrogante Posen auf der Bühne, blöde Antworten und eine den Interviewer hochnehmende Attitüde - schon ist klar: echte Arschlöcher.
Klar, die Dramaturgie der Worte leitet zu ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead hin: begnadeten Erneuerern des Rock im letzten Jahrzehnt, in dem sie zwischen Referenzräumen, reich an Luft und Ideen, und brachialen Ausbrüchen schwankten, eingebettet in ein ebenso referenzreiches mystisches Surrounding aus Artwork und Texten. Zwischen all den von ihnen auf der Bühne zerlegten Gitarren und arrogant herablassenden Statements war irgendwann aber auch klar: Echte texanische Arschlöcher sind das. Man kennt sie ja.
Video: Trail Of Dead - "Bells Of Creation" (live im zakk, Düsseldorf, 25.05.08)
Man kennt sie nicht. Das ist schon nach einigen Minuten mit Conrad Keely klar. Freundlich, fast schon schüchtern mit seiner extrem leisen Stimme flaniert er mit mir durch die Gerhard-Richter-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig. Später, in der Mitte unseres fast zweistündigen Museumsgangs, wird er - angesprochen auf mein Vorurteil ihm und der Band gegenüber - spitzbübisch auf Andy Warhol verweisen, den er zwar nicht für seine Kunst, wohl aber für seine Attitüde schätze.
Fotostrecke:Conrad Keely - Zeichnungen
Warhol war bekannt dafür, dass er - und nicht der Journalist - die Interviews führte. Gegen seine konzeptionellen Ideen war kein Kraut gewachsen. So antwortete er in einem von Keelys liebsten Warhol-Interviews (die sehr schön in "Interviews mit Andy Warhol" gesammelt sind) beispielsweise auf jede Frage mit einem lustlos gestöhnten "Ähm, yes". Eine äußerst arrogante Inszenierung, findet auch Keely und verweist auf die Fairness, mit der seine Band den Interviewern begegne, auch wenn das keiner sehen wolle. Nur wer dumm frage, bekomme das Warhol-System ab.
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