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Olli Schulz

Im Interview: Die ganze Welt in einem Mann

18.02.2009, 18:00, Text: marco fuchs, Foto: Sandra Stein
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Rock-Nummern wie "Ab jetzt tut's mir nur noch weh" und Quatsch-Songs wie "Bibo" - Olli Schulz liefert auf seinem neuen Album "Es brennt so schön" die ganze Palette ab. Und hat zudem sehenden Auges die deutsche Antwort auf "Live Forever" geschrieben. Warum sein neues Werk trotzdem nicht "Die große Olli-Schulz-Platte" heißt, verrät er Marco Fuchs auch noch. Ein Teufelskerl.

"Es brennt so schön" - brennt es in dir, oder sitzt du da und genießt das äußere Brennen?
Es brennt alles so schön. Manchmal sitzt man da und denkt sich, dass alles so hoffnungslos ist. Stellt sich dann so Fragen, ob man in diese Welt überhaupt Kinder setzen kann. Alles ist negativ, komplett. Und in solchen Momenten schreibe ich solche Lieder wie das erste mit so Zeilen wie "Die Guten, die bluten, weil die Schlechten sie knechten, und der Rest stirbt langsam aus". Aber dann folgen auch wieder Momente, in denen das Leben sehr gut zu einem ist. Und daraus ergibt sich dann ein Stück wie "Ewig leben". Ich will nicht nur melancholische Lieder machen oder nicht nur witzige. Das ist alles in mir drin.


Im letzten Intro-Interview hast du dich als "multiplen Typen" bezeichnet. Welche Persönlichkeit des mehrköpfigen Olli Schulz gibt's denn auf der neuen Platte zu erleben?
Das sollte 'ne geile Rockplatte werden. Nicht so dieses "Ich bin der depressive Typ und sitz in meinem Zimmer, und draußen schneit es gerade". Die letzte Platte war ziemlich melancholisch und zurückgenommen für meine Verhältnisse. Und die neue sollte auch mal wieder so einen cheesy Pop-Song wie "Geheimdienst" haben. Weil es mein erstes Soloalbum ist, sollte von allem was drin sein, was ich bisher gemacht habe. Und das zu einem großen Ding vereinen. Der Arbeitstitel war zunächst "Die große Olli-Schulz-Platte", aber das wäre dann wieder so Otto-mäßig gekommen.

Am Beginn des Albums rotzt du mit "Ab jetzt tut's mir nur noch weh" aggressiv wie nie. Woher kommt die Wut?
Die Aggressivität ist schon ein Ausdruck dessen, dass ich letztes Jahr ganz schön genervt war. Ich musste von irgendwelchen Leuten hören, dass ich es jetzt endlich schaffen müsse. Das hat mich sehr erstaunt. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass bei allen Menschen, egal, ob sie aus dem sogenannten Indie-Umfeld stammen oder nicht, ab einem gewissen Alter ein unglaublicher Druck entsteht. Ich war zum Beispiel letztes Jahr auf Tour und habe einen Abend mal nicht so auf Entertainer gemacht, sondern eher ruhige Stücke gespielt. Da kam jemand zu mir und meinte: "Olli, so wirst du es nie schaffen." Und ich: "Was schaffen?" Ich bin Künstler, ich mache das, was ich für richtig und wichtig halte. Ich wollte nie Weltstar werden oder dieses Land vereinen. Und dann kotzt mich das an, dass es anscheinend doch nur darum geht, viel Geld zu verdienen, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und ein Leben mit möglichst viel Sicherheit zu verbringen. Und das bei Leuten, bei denen ich das echt nicht erwartet hätte.

Alles wirkt sehr nah dran an diesem Leben ...
Das ist aber auch ein bisschen meine große Kunst, die Sachen immer sehr autobiografisch klingen zu lassen. Die neue Platte ist nicht so persönlich, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Eigentlich geht es mir schon darum, einen geilen Song zu schreiben und nicht mein Innerstes nach außen zu bringen. Dabei die Dinge glaubwürdig rüberzubringen, damit die Leute was empfinden und merken, dass da einer ist, der es mit Herzblut macht. Aber es sind nie vertonte Tagebucheinträge.



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aus Intro #169 (März 2009)
 
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