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Anna Ternheim

Der Affe in dir

09.02.2009, 12:28, Text: Daniel Koch

In ihrer Heimat Schweden rauscht Anna Ternheim mit jedem Album auf’s Neue in die Charts. In einer gerechten Welt sollte das diesmal auch hierzulande passieren. Ternheim stellt auf ihrem Drittling „Leaving On A Mayday“ ihre starke, dunkle Stimme in den Vordergrund, lässt sie von jazzigen Drums und live eingespielten Streichern umspielen und reist damit in die Abgründe der Liebe – produziert und eingespielt von und mit Björn Yttling of Peter Bjorn & John Fame. Und da die Liebe eh unergründlich ist, sprach Daniel Koch diesmal mit ihr über Affen, Spinnen und Krähen. Logisch.

Wir müssen über den niedlich angezogen, aber unheimlichen Affen reden, den du auf dem Cover an der Hand hältst.

Findest du den unheimlich?


Schon. Das Bild ist wunderschön – aber dass er wie ein Kind angezogen ist, macht ihn so creepy…

Daran habe ich gar nicht gedacht. Ich habe ihn genau so auf der Straße gefunden und hatte das Gefühl, ich müsste ihn beschützen. Oder war es genau andersrum? Affen sind spannend, findest du nicht? Jeder hat einen Affen in sich. Ich bin manchmal sogar selbst einer. Uns trennt nur ein Gen von den ihnen. Manchmal hab’ ich das Gefühl, genau dieses Gen, das uns zum Menschen macht, ist das böse Gen der Evolution – das uns zu den Lebenwesen macht, die die Erde schlussendlich zerstören werden. Aber mal im Ernst: Ich würde nie einen echten Affen, in Kinderklamotten stecken, das weißt du oder? Das war eine Wachspuppe.

Ich dachte mir so was. Sind denn Affen deine Lieblingstiere? Klingt fast so…

Ich mag Affen schon sehr.

Kennst du das Buch „Great Apes – Die schöne Welt der Affen“ von Will Self?

Nein. Sollte ich? Worum geht’s da?

Um einen Künstler, der nach einem fiesen Koksabsturz samt Filmriss aufwacht und plötzlich ein Affe ist. Und alle anderen auch. Und er wird für verrückt gehalten, weil er glaubt ein Mensch gewesen zu sein, weil er nicht den anderen Affen am Arsch riechen will, und weil er nicht immer nach jedem dritten Wort „Hoo-graa!“ kreischt.

Äh. Klingt spannend. Muss ich haben.

Gibt es Tiere, die dir Angst einjagen?

Spinnen. Aber da arbeite ich dran. Ich war letztens mit einem Freund in einem Zoo in Stockholm. Er hat ebenso Schiss wie ich. Deshalb haben wir mal so ein großes, haariges, mehrbeiniges Ding gestreichelt. Das fühle sich eigentlich ganz schön an. Man muss wohl den Dingen entgegentreten, vor denen man Angst hat. Zumindest wenn sie kleiner und ungiftiger sind als man selbst.

Du bist tot. Du wirst wieder geboren. Du darfst die ein Tier aussuchen. Mensch gilt nicht. Welches wäre es?

Ganz klar ein Vogel. Welcher wäre fast egal. Außer Krähe vielleicht. Ich würde mein ganzes zweites Leben nur noch fliegen…

Würde es dir nicht in den Flügelspitzen jucken, wieder Gitarre zu lernen?

Nein. Ich glaube, ich würde nicht mal singen wollen. Fliegen reicht völlig.


Anna Ternheim „Leaving On A Mayday“ (CD // Universal)

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aus Intro #169 (März 2009)
 
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