Angelika Express / Coloma
Im Interview: Chancenkrise / Krisenchance
26.01.2009, 11:38, Text:
linus volkmann,
arno raffeiner
[1 Kommentar]
"Du bist in der Band!" schreit dir Detlef D! Soost zu in einer weiteren Staffel von "Popstars". Das heißt damit auch: Du trittst alle möglichen Rechte ab an dir und deiner, ähem, Kunst - und dann ab mit dir ins sich schon wieder dimmende Rampenlicht deiner 15 Minuten Scheiß-Ruhm. Ausgespuckt wirst du danach ganz von selbst. So einfach arbeitet sich der Hohn des Marktes natürlich nicht an allen Bands ab. Aber haben die es deshalb wirklich so viel besser? 2009? In der Epoche nach dem klassischen sich kümmernden Plattendeal? Die Kölner Coloma und Angelika Express jedenfalls stellen sich den neuen Gegebenheiten: Geld, Rock, Wir-AG, Steuervorauszahlungen, Bühne und Kunst.
Angelika Express
Die Krise in der Musikindustrie macht viele Musiker plötzlich zu Unternehmern. Du bist da ja ein gutes Beispiel. Erklär doch mal den ökonomischen Überbau des Angelika-Express' - also die Geschichte mit den Anteilsscheinen.
Robert Drakogiannakis: Wir brauchten eine Summe von 25.000 Euro, um Herstellung und Promo des Albums professionell durchzuziehen. Statt zu einem Label zu rennen, haben wir was Neues probiert: ein Fördermodell mit Gewinnbeteiligung. Wir nennen es die "Angelika-Aktie". Dabei wurde der Kuchen in 500 Teile gesplittet, die man für 50 Euro erwerben konnte. Dafür gibt's den Tonträger, man wird an 80 % vom Gewinn beteiligt und hat das wärmende Gefühl, mit Tante Angelika am selben Strang zu ziehen. Damit haben wir zu unserem Erstaunen anscheinend bei vielen Leuten einen Nerv getroffen, die Anteile waren in Windeseile vergriffen.
Was sind die Vorteile deiner Situation jetzt im Vergleich zur nährenden Hand eines Major-Labels? Kennst du ja mit AE noch gut.
Die Hand eines Major-Labels nährt naturgemäß lieber den eigenen Mund. Es handelt sich nüchtern gesehen um Konzernstrukturen, die auf schnöde Gewinnmaximierung erpicht sind. Wenn das klappt und dabei trotzdem hin und wieder relevante Musik rausspringt, kann man nichts dagegen sagen. Dieses System bricht nur gerade offensichtlich zusammen. Wer sich als Künstler mit einem Major einlässt, begibt sich auf Reise mit einem sinkenden Schiff. Im Moment ist es definitiv sinnvoller, so weit wie möglich autark zu handeln. Es werden in den nächsten Jahren neue Strukturen entstehen, die den Musikern dabei helfen werden, das Kind ohne Label zu schaukeln. Da werden sich ganz neue Möglichkeiten auftun.
Video: Angelika Express - "Was wollt ihr alle?"
Und was sind die Nachteile?
Der größte Nachteil ist, dass man sich bei niemandem mehr beschweren kann, wenn etwas schiefläuft.
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lookintro 10.02.2009 | 13:39:30
Solange wir kein Geld damit verdienen, wird auch unser fünftes Album gut sein!
ja, nee, ist klar.
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