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Dear Reader

Im Interview: Fremd in Südafrika

23.01.2009, 16:26, Text: Lutz Happel, Foto: Katharina Poblotzki

Cheri, Darryl und Michael sind Dear Reader. Unter der Führung von Brent Knopf von Menomena haben sie in ihrer Heimatstadt Johannesburg ein faszinierendes Debütalbum aufgenommen. In Berlin erzählten sie unserem Autor Lutz Happel, wie es sich in Südafrika lebt und musiziert.

Wie groß ist der Unterschied zwischen einem Gig in Südafrika und Europa?
C: Da existiert ein Riesenunterschied. In Südafrika müssen wir alles selbst machen: PA aufstellen, Türsteher organisieren, Merchandise etc. Bei uns zu Haus existiert keine richtige Infrastruktur für Live-Musik und auch keine sonderliche Konzertkultur. Die Leute sind irritiert, wenn sie fünf Euro für ein Konzert ausgeben sollen, oft reden sie während des Konzertes, sind unaufmerksam. Für uns hat sich das aber in den letzten Jahren geändert. Mittlerweile kommen wirkliche Fans. Weil es nicht sonderlich viele Konzertvenues gibt, versuchen wir manchmal in Theatern zu spielen, aber dann sind die Ticketpreise umso höher. Es ist nicht so einfach. In Südafrika gibt es drei große Städte, eine Handvoll kleinere, und das war's.
D: Ach ja, und dann gibt es noch einen großen Unterschied: Die Leute in Deutschland klatschen ewig.


Seid ihr in Johannesburg Teil einer Szene?
D: Es gibt eine große Szene für Kwaito-Musik, das ist ...
C: ... African Dance Music, mit langsamen House-Beats und afrikanischem Gesang. Und Afrikaans-Musik natürlich.

Hat das einen Einfluss auf euch?
C: Nein, das ist wie schlechte Volksmusik. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber in der Regel ist das miese Musik. Was wir machen, hat bei uns zu Haus einen sehr kleinen Markt. Wir sind mit Englisch als Muttersprache ja eine Minderheit in unserer Heimat - und von dieser englischsprachigen Minderheit hören die meisten Charts-Pop. Es gibt schon Indie-Acts, aber die Szene ist sehr klein. Deshalb arbeitet man eben auch mit Bands zusammen, die sich ganz anders anhören.


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aus Intro #168 (Februar 2009)
 
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