Franz Ferdinand
Talkin Weltwirtschaftskrise
03.02.2009, 10:57, Text:
Martin Riemann, Foto: Arne Sattler
Interview Teil 2: Franz Ferdinand in persona Alex Kapranos und Bassist Bob Hardy berichten Martin Riemann aus aktuellem Anlass, wie man sich als brotloser Künstler so durchschlagen kann.
Im Gegensatz zur Finanzbranche ist das kulturelle Milieu schon länger in der monetären Krise; hinzu kommt, dass die Fallhöhe eine ganz andere ist: Die Einkommensverhältnisse sind für Künstler sowie in den angegliederten Branchen ja deutlich niedriger. Inwieweit empfindest du also Mitleid?
Alex Kapranos: Moment mal, soll das ein Witz sein? Wir sollen Mitleid für diese Leute empfinden? Sie haben's vergeigt. Hohn wäre angebrachter. Sie werden sowieso nicht so leiden wie die Leute, um deren Geld sie sich kümmern sollten.
Wurmt es euch eigentlich, dass künstlerisches Schaffen per se Einbußen hinsichtlich des Einkommens bedeutet?
A: Das war immer so, oder? Ich bin aber lieber Musiker als Banker. Ich glaube ohnehin nicht, dass irgendjemand den künstlerischen Weg geht, weil er eine hohe finanzielle Belohnung erwartet. Ich habe zehn Jahre meines Lebens von Arbeitslosenunterstützung gelebt. Ich hatte absolut kein Geld. Und man merkt schnell, dass die Chancen, welches zu verdienen, in diesem Metier äußerst gering sind. Sogar Bands, von denen man glaubt, dass sie viel Geld verdienen, weil sie bekannt sind und viele Tickets verkaufen, verlieren eher Geld auf ihren Touren.
Ist das bei euch auch der Fall?
A: Bei uns geht es momentan. Aber man kann das überhaupt nicht mit "richtigen" Firmen in dieser Größenordnung vergleichen.
Bob Hardy: Ich finde das langsam ein bisschen seltsam, über diesen Kram zu reden. Ich spiele Bass in einer Band und bin kein Finanzexperte!
Video: Franz Ferdinand - "Ulysses"
Okay, dann kannst du mir vielleicht erzählen, was dein erster Job war?
B: Ich habe Waren in einem Supermarkt aufgestockt. Da ging ich noch zur Schule. Man bekam zwei Pfund die Stunde. War ganz lustig.
A: Ich habe in einem Outdoor-Sportladen gearbeitet. Ich musste Sachen zum Hiken oder Kanufahren verkaufen, was ziemlich pervers ist, da ich ungefähr der unsportlichste Typ bin, den man sich vorstellen kann. Die meiste Zeit war ich einfach nur verwirrt.
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