Das Jahr 08
Die HipHop-Clique ist da: Yo! Majesty, Santogold, M.I.A., Kid Sister & Amanda Black sorgten für Pep im Haus
02.12.2008, 14:59, Text:
Thomas Venker, Foto: Thomas Venker
2008 war nicht gerade das Jahr, in dem uns viele überraschende Veröffentlichungen geschenkt wurden. Während die UK-Indie-Welle mit zumeist durchschnittlichen Platten der großen Acts oder nachgeschobener, mehr schlechter als rechter Epigonen endlich abflaute, gelang es trotz aller Hoffnungen leider dem US-Indie noch nicht, seinen nächsten Frühling einzuläuten.
Wärmen konnte man sich an den kleinen Oasen Afrobeats (Vampire Weekend), Neohippie (MGMT) und Gay-House (Hercules And Love Affair). Dass das Jahresfazit dennoch versöhnlich ausfällt, liegt aber vor allem am Coming-out des Baile Funk (siehe hierzu den Roundtable in dieser Ausgabe) und einer Clique, wie wir sie so schon lange nicht mehr erleben durften.
Und das Schöne dabei - abseits von Yo! Majesty, die mit aller Wucht ihr eigenes Ding machen (und mit "Futuristically Speaking … Never Be Afraid" ein gutes Album vorgelegt haben, aber vor allem live neue Maßstäbe setzten mit ihrer Genderfragen anreißenden Präsenz, siehe Intro 164): Sie sind auch noch eine eng verzahnte Gemeinschaft. Die Rede ist von Santogold, M.I.A., Kid Sister und Amanda Black. Kein Festival zwischen CMJ, South By Southwest und Coachella, bei dem man sie nicht gemeinsam auf der Bühne sah im gegenseitigen Featurefieber, gerne mit ihren Best-Buddys von Spank Rock als Masters Of Zeremonie - die 2008 eine heiße EP abgeliefert haben, sich ansonsten aber auf ihre wirklich herausragend guten Liveauftritte konzentriert haben. So gutgelaunt und frisch kann HipHop - oder wie auch immer man ihren Melangesound kategorisieren will - also doch noch klingen. Und so selbstbewusst und spannend sind die Protagonistinnen. Während M.I.A. nun bereits mit zwei Alben (aktuell aus 2007 "Kala") ihre Qualität unter Beweis gestellt hat, stehen die anderen dabei erst am Anfang vielversprechender Karrieren.
Santogold, wie ihre beste Freundin M.I.A. zugezogener Brooklyn Chick, legte im Sommer ihr selbstbetiteltes Debüt vor (siehe Intro 161). Darauf liefert Santi White einen eindrucksvoll undogmatischen Mix aus Indieroots, New Wave, Electro- und Housessplittern, HipHop und mittelamerikanischer Rhythmikschule. Dieser Tage erscheint in Amerika endlich "Dream Date", das Album der aus Chicago stammenden Kid Sister, die allerdings mit "Pro Nails" (featuring niemand Geringeres als KanYe West, für den ihr Freund A-Trak als Tour-DJ agiert und auf dessen Label Fools Gold sie veröffentlicht) bereits einen respektablen Singlehit im Backkatalog aufweisen kann. Melissa Young, wie sie von Geburts wegen heißt, mag es gerne etwas cheesy und gutgelaunt - old flavoured ClubHop eben, wie man ihn in den 80ern zelebrierte. Und auch die wie Spank Rock aus Philadelphia kommende Amanda Black (Amanda Mallory) soll demnächst endlich ihr Debüt loslassen können. Bei ihr können wir uns auf jede Menge explizite Lyrics und bouncende Beats aus der Rappelkiste freuen. 2009 kann also gerne reinschauen.
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