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Das Jahr 08

Wollen alle mit: Obama for MTV Award

02.12.2008, 14:28, Text: Martin Büsser, Foto: Elisabeth Moch

Thomas Meinecke gestand im Interview mit der "Jungle World", dass er sich ein Barack-Obama-T-Shirt gekauft hat - er trägt es allerdings nur nachts im Bett. Dieser Widerspruch zwischen Sympathisantentum und Zweifel treibt derzeit wohl viele Intellektuelle um, die sich einerseits zu Obama hingezogen fühlen, andererseits aber auch nicht so recht glauben wollen, dass der "Popstar" wirklich für eine bessere Weltordnung wird sorgen können.

"Popstar", so haben sie ihn alle genannt, von der Zeit bis zur Welt, vom Deutschlandfunk bis zum Donaukurier. "Popstar" bedeutet in den Medien so ziemlich das Gegenteil von "Populist". Wenn vom "Populisten" die Rede ist, weiß jeder, dass es sich um einen unsympathischen Menschen handelt. Deshalb reichte die Bemerkung "Populist Jörg Haider gestorben" aus, um ihn als das zu dissen, was er war. "Popstar" steht dagegen für Glam, Zuversicht und eine diffuse Wohlfühlatmosphäre. Bei Obama meint man sich irgendwie besser aufgehoben. Das aber hat, nüchtern betrachtet, rein gar nichts mit Anti-Wohlfühl-Themen wie Terrorismus, Krankenversicherung, Finanzkrise oder sozialem Gefälle zu tun.


"Popstar"-Politiker haben die Welt noch nie besser, friedlicher, sozialistischer, gerechter oder was auch immer gemacht. Aber sie haben den Vorteil, dass das kollektive Gedächtnis ihre Schweinereien verdrängt oder ihnen sogar verzeiht. Niemand denkt bei John F. Kennedy in erster Linie an die Kubakrise, die fast einen Weltkrieg ausgelöst hätte, niemand bei Bill Clinton vorrangig an den Angriff auf Serbien, bei dem Streubomben zahlreiche Zivilisten töteten. Genau darin liegt die Gefahr der emotionalen Pop-Rezeption von Politik, die gegenüber den USA nirgendwo so krass zutage tritt wie in Deutschland: Während des Staatsbesuchs von George W. Bush in Mainz 2005 wurde die Innenstadt komplett abgeriegelt, sodass der Präsident keinen einzigen Bürger zu Gesicht bekam. Obama dagegen nahm in Berlin ein Bad in der Menge. Fernsehgurken wie Jörg Pilawa und Thomas Gottschalk, die nie wagen würden, über Angelika Merkel zu stänkern, streuten immer mal wieder abfällige Witze über Bush ein. So irrational verzerrt das Bild vom personifizierten Bösen in Sachen Bush ist, so irrational verzerrt ist das von Obama als Retter der Menschheit. Im Grunde geht es wie immer bei Pop um Distinktion und Geschmack. Wer wie Obama John Coltrane, Miles Davis und Charlie Parker auf seinem iPod hat und gegenüber dem Rolling Stone die kompetentesten Dinge zu HipHop sagt, die je ein Politiker geäußert hat, ist auf der besseren Geschmacksseite. Für den MTV Award könnte das reichen, für die Abschaffung des Kapitalismus wohl noch nicht.



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)
 
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so siehts nämlich aues! ...knusper knusper, sowas aber auch, da piepts ja wohl!

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