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Das Jahr 08

Rauchen gegen den Staat

02.12.2008, 12:40, Text: Felix Klopotek, Foto: Katharina Poblotzki

Warum gibt es Sommer- und Winterzeit? Um das Tageslicht optimal auszunutzen und somit Energie zu sparen. Unter uns - glaubt das jemand? Man nimmt es hin. Souverän macht der Staat davon Gebrauch, den Tag an sich zu regulieren. Selbst so etwas unendlich Banales wie die alljährliche Zeitumstellung ist Ausdruck des Gewaltmonopols.

Was die Winterzeit mit dem in diesem Jahr durchgesetzten Rauchverbot in Gaststätten zu tun hat? Vordergründig geht es auch hier um etwas "Vernünftiges": Das Gesundheitsrisiko von Beschäftigten in gastronomischen Betrieben soll reduziert werden. Nun könnte man einwenden, der wirksamste Schutz für die Thekenkräfte wäre ein so hoher Lohn, dass sie das Geld, was sie jetzt in zehn Stunden verdienen, in fünf bekämen. Sodass sie früher nach Hause könnten, erheblich weniger Stress (enorm gesundheitsschädlich!) hätten und der Rauchbelastung natürlich um die Hälfte weniger ausgesetzt wären. Anders gesagt: Das Gesundheitsrisiko liegt weniger in qualmenden Kneipenbesuchern, sondern in dem Zustand, dass man generell gezwungen ist, einer Lohntätigkeit nachzugehen und dafür in der Regel erhebliche Risiken einzugehen bereit sein muss. Wer tatsächlich die Gesundheit von Angestellten und anderen Lohnabhängigen schützen will, müsste ganz anders und viel grundsätzlicher in das Arbeitsleben eingreifen.


Beim Rauchverbot geht es nicht um "die Gesundheit", sondern um etwas anderes - auch sehr Grundsätzliches. Es geht um die Macht des Staates, bis hinab in die niedrigsten Regungen des Privatlebens Regeln aufzustellen und sie durchzusetzen. Natürlich sind Raucher für Nichtraucher nervig; natürlich ist Rauchen eine Sucht. Aber was hat der Staat damit zu tun? Als individuelle Sucht muss das Rauchen individuell überwunden werden - da hilft kein Rauchverbot. Und die Situationen, in denen der Autor, Nichtraucher seit eh und je, sich wirklich belästigt gefühlt hat, lassen sich zwar nicht an einer, aber doch an zwei Händen abzählen.

Und die Pointe? Kaum war es in Kraft, geriet das Gaststättenrauchverbot unter Beschuss. Weil es einen Unterschied zwischen Kneipen gibt, die groß genug sind, um Raucherzimmer einzurichten, und kleineren ohne diese Möglichkeit, die folglich das Rauchverbot voll und ganz trifft. Jetzt muss in Berlin und Baden-Württemberg verhandelt werden, ob prinzipiell Ausnahmen möglich sind oder das Rauchverbot uneingeschränkt gilt. Nach außen stellt sich das als zähes bürokratisches Hickhack dar. Aber immerhin, es gibt Lücken. Der Alltag unterhalb des Staates ist zu wuselig und zerklüftet, um von staatlichen Verordnungen einfach glattgebügelt zu werden.




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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)
 
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