Das Jahr 08
Das Radio der Zukunft. Byte.FM
01.12.2008, 18:10, Text:
Christian Steinbrink, Foto: Katharina Poblotzki
[6 Kommentare]
Darauf hat das musikinteressierte Radiopublikum schon lange gewartet: Ein freies Internetradio mit gemessen an den immergleichen Playlisten weiter Teile der deutschsprachigen Radiolandschaft geradezu rebellisch unangepasster Musikauswahl. Dass die Mitbewerber unruhig werden, merkt man jedenfalls schon jetzt, nicht mal ein Jahr nach Sendestart.
Es ist elf Monate her, dass Byte.FM, ein in Hamburg ansässiger, aber bundesweit agierender Radiosender, ganz programmatisch mit "Transmission" von Joy Division on air ging. Vorangegangen war die Sisyphosarbeit des Initiators und NDR-Rundfunkjournalisten Ruben Jonas Schnell, möglichst viele der bedeutenden Radiomoderatoren des Landes zusammenzutrommeln und ihnen ein Konzept schmackhaft zu machen, das eigentlich bloß dem Radio der guten alten Zeit entspricht: Autorensendungen in völliger Autonomie, eingefasst von täglich wiederkehrenden Standards.
Die Reaktionen der Mitarbeiter in spe waren ähnlich wie die der Medien und der Musikindustrie direkt nach Sendestart: fast ausnahmslos enthusiastisch und mit Bereitschaft zur Mitarbeit. Seitdem hat sich das Programmschema des Senders mit beständig hoher Qualität und stetig steigenden Zugriffszahlen etabliert - auch ohne Bezahlung. Die Autoren und Mitarbeiter (u. a. Christoph Twickel, Stefan Müller, Frank Spilker, Klaus Fiehe) agieren nach wie vor ehrenamtlich. Denn die Hörerzahlen sind gestiegen, die Einnahmen durch Sponsoren allerdings nicht in gleichem Maße. Ein Punkt, der sich laut Schnell, der ansonsten mit der Entwicklung seines Babys sehr zufrieden ist, bald ändern muss.
Trotz der breiten Akzeptanz von Byte.FM ist die ursprüngliche Autorensendung eines seiner wichtigsten Moderatoren beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk offenbar nicht mehr gefragt: Unlängst wurde bekannt, dass der Sender hr3 mit "Der Ball ist rund" von Klaus Walter eines der prägendsten und arriviertesten Popmusikformate des Landes zum Jahresende absetzen wird, um sein Programm "durchhörbarer" zu gestalten. Ein neuer Tiefschlag für die an Qualität interessierte Hörerschaft, gerade weil der Erfolg von Walters Byte.FM-Sendung "Was ist Musik" zuletzt bewies, wie außerordentlich seine journalistische Aufarbeitung von Pop abseits des Mainstreams ist und wahrgenommen wird. Auf diese Qualität will der hr fortan verzichten. Für Walter und seine vielen Fans ist es ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass sich auf www.derballistrund.org gerade eine Initiative formiert, die für den Erhalt der Sendung kämpfen will.
Das inhaltliche Ziel von Byte.FM für 2009 ist derweil ein höheres Maß an Aktualität. "Ich hätte gerne weitere Livesendungen wie den Tourkalender im Programm", sagt Ruben Schnell. "Ich würde zum Beispiel gern auf eine Nachricht wie die, dass Obama US-Präsident wird, Minuten später mit einem Song reagieren können."
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Castells 04.12.2008 | 16:09:37
ein bisschen zu viel des Lobes, das nur für den Inhalt gelten kann. Meine Kritik geht aber an das lineare Verbreitungskonzept des Senders, das es nicht möglich macht, sich Sendungen dann anzuhören, wann man möchte, und nicht wenn sie gerade im Stream dran sind.
labr 04.12.2008 | 16:35:56
obey!
Das würden sie dir auch gern bieten, wenn es nicht so schweineteuer wäre (nicht nur, was Traffic und entsprechende Kapazitäten betrifft, auch wegen der Gemma) - ist aber für die nahe Zukunft geplant.
Man darf nie vergessen, dass sich das aus dem Nichts finanziert - Privatkohle, Privatkredite und keine Werbeinseln ... Darum werden auch die Moderatoren nicht entlohnt, was mein Kritikpunkt ist ...
Christian Steinbrink 04.12.2008 | 18:01:13
Die guten Militanten
Meine Informationen bzgl. Podcasts etc. decken sich mit denen von labr. Und dementsprechend würden die Initiatoren die Mitarbeiter auch gerne bezahlen, aber das ist bei den derzeitigen Umsätzen des Senders wohl einfach nicht möglich.
Reverend 04.12.2008 | 18:16:34
brüht im Lichte dieses Glückes
labr und Christian haben recht - Podcasts werden sicher irgendwann kommen, aber womöglich nur gegen Geld. Mal abwarten. Und irgendwann sollen die Mitarbeiter/innen tatsächlich mal bezahlt werden, ewig geht das ganze Programm sicher nicht nur ehrenamtlich über die Bühne.
Ich mach´s aber gerne und noch lange unentgeltlich, das ist versprochen.
haru_specks 05.12.2008 | 11:07:47
shine on
ja, byte.fm gebührt das höchste lob. auch ohne podcast.
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