Baile Funk. Die Südhalbkugel strikes back.
Zuckerhut-Gipfeltreffen
12.12.2008, 15:47, Text:
Daniel Haaksman, Foto: Vincent Rosenblatt
2008 war das Jahr des großen Hinternwackelns. Baile-Funk-Beats aus Rio de Janeiro und anderen Megacities der Südhalbkugel wurden endgültig zum heißesten Sound auf den Tanzflächen.
Auch der internationale Erfolg von DJ Mujavas "Township Funk" sowie die Kuduro-Interpretationen des Buraka Som Sistema belegen, dass die musikalischen Innovationen auf dem Dancefloor nicht mehr aus den alten Zentren des Pop wie London, New York, Kingston oder Los Angeles kommen, sondern aus Städten wie Rio de Janeiro, Luanda oder Johannesburg. Die Man-Recordings-Bühne auf dem Melt!-Festival mit Künstlern wie Crookers, Bonde Do Role, Edu K, MC Gringo, Deize Tigrona, Daniel Haaksman und DJ Beware zeigte ebenfalls, wie sich auch ohne das Diktum des 4/4-Takts zu einem Kaleidoskop von globalen Beats raven lässt.
Man-Recordings-Labelmacher und Produzent Daniel Haaksman half uns netterweise bei der Besetzung eines repräsentativen Roundtables zum Thema.
Heute gibt es Werbeclips von großen Softdrink-Produzenten und Autoherstellern, die Baile Funk als Soundtrack für ihre Kampagnen verwenden. Hättet ihr je gedacht, dass dieser Stil zu einem weltweiten Musikphänomen wachsen würde?
Gorky (Bonde Do Role): Nicht wirklich. Als Diplo von uns das erste Mal hörte, machten wir die Musik nur aus Spaß und stellten sie ins Internet. Wir planten nie, eine Popgruppe zu bilden, die um die Welt touren sollte. Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell: Wir releasten unsere EP und bang! tourten wir weltweit. Als ich aufwuchs, mussten brasilianische Bands lange Jahre eine lokale, dann regionale Fanbasis aufbauen. Und wenn sie Glück hatten, konnten sie nach zehn Jahren in anderen brasilianischen Städten spielen. Die wenigsten spielten überhaupt im Ausland. Dass das heute möglich ist, haben wir dem Internet zu verdanken.
Edu K: Ich hätte nie gedacht, dass es so groß würde. Aber es war schon immer mein Ziel, Hintern auf dem ganzen Globus zum Wackeln zu bringen.
MC Gringo: Als ich Baile Funk das erste Mal hörte, fühlte ich unmittelbar, dass dieser Sound einen großen Einfluss haben würde. Aber ich glaube, dass er noch immer nur zehn Prozent seines Potenzials erreicht hat.
Daniel Haaksman: Als ich Funk das erste Mal hörte, war ich begeistert von der unglaublichen Power, die dahintersteckte. Als ich meine ersten Compilations veröffentlichte und sah, wie gut sie sich verkauften, wurde mir klar, dass diese Musik weltweit verstanden wird.
Crookers: Wir haben so noch nie darüber nachgedacht. Wir mochten einfach die Beats!
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