Cazals
Flirten mit Frankreich
28.10.2008, 11:44, Text:
Martin Riemann
Was dürfen britische Rockmusiker tun, um sich aus der nie enden wollenden Flut an Pop-Qualitätsprodukten hervorzuheben? Den Teufel anbeten? Klar. Ihre Bekleidung mit Hakenkreuzen verzieren? Warum nicht? Sich mit Franzosen einlassen? Wie bitte?
Das ist doch so, als würde die BBC für ihre nächste Sitcom deutsche Fernsehredakteure um Rat bitten. Die Cazals konnten dem Ruf des übertrendigen Kitsuné-Labels trotzdem nicht widerstehen. Dabei passt ihr simpel gestrickter Indierock, trotz einiger digitaler Gimmicks, null zum Rest des Rosters.
Sänger Phil Bush, der über eine Stimme verfügt, die dreimal so alt klingt, wie er eigentlich ist, versucht den Anschein zu erwecken, als würde ihn diese Mini-Sensation ohnehin kalt lassen: "Einer der Labelmacher hatte unsere Single in Japan in einem Club gehört; als er sie wenige Stunden später auf einer Party erneut vorgespielt bekam, war ihm klar, dass er uns signen wollte." Den anschließenden Anruf der Electronic-Hautevolee quittiert Bush mit einem Schulterzucken: "Klar haben wir Ja gesagt. Wir hatten ja sowieso kein Label." Und schon hatte man einen französischen Boss. Das abartige Signing brachte auf der Insel natürlich sofort den erwarteten 5-Minuten-Wirbel.
Doch möglicherweise wiegt der Hipness-Faktor nun einen Tick zu schwer auf den schmalen Schultern der fünf Cazals. Für ihr Debüt "What Of Our Future" hagelt es harsche Kritiken, in denen das Wort "enttäuschend" noch am wohlgemeintesten klingt. Warum? Mit einem glitzernden Sack voller Publicity und ein paar atemberaubenden Auftritten wurden die Erwartungen so hoch geschürt, dass die Hipster im Studio Blut und Schweiß hätten schwitzen müssen, um dem Getöse auch nur annähernd nachzukommen. Die Härte der Häme wirkt aber teilweise übertrieben und hängt garantiert damit zusammen, dass die britische Szene sich ihre nächste Post-Strokes-Indieband partout nicht à la français servieren lassen möchte. Tatsächlich ist "What Of Our Future" ganz unterhaltsam, auch wenn der mit Abstand beste Song "To Cut A Long Story Short" ausgerechnet von Spandau Ballet stammt.
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