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Tilly And The Wall

Unter Strom

27.10.2008, 10:03, Text: Mario Lasar, Foto: Jaimie Warren

Mit dem neuen Album "O" weichen Tilly And The Wall mehr denn je von akustischen, oft mit ihrer Herkunft Omaha, Nebraska assoziierten Folkspielweisen ab, um stattdessen das Leben in all seinem emotionalen Facettenreichtum zwischen aufbrausender Wut, in sich gekehrten Rückzugsgesten oder ungebändigter Lebensfreude abzubilden, findet Mario Lasar.

Nicht nur die Stilvielfalt hat sich erhöht, auch der Sound ist vielschichtiger geworden, seit die Band im Jahre 2004 ihr Debüt "Wild Like Children" auf Conor Obersts Label Team Love veröffentlichte. Sängerin Kianna erklärt diese Entwicklung damit, dass die Aufnahmebedingungen sich stetig verbessert haben: "Das letzte Album wurde in einem großen, brandneuen Studio aufgenommen, während unser Debüt in einem Keller entstand. Je mehr Optionen uns zur Verfügung stehen, desto mehr Spaß haben wir daran, unseren Sound zu erweitern."


Tatsächlich wirkt die Musik höchstgradig verdichtet - allerdings, ohne sich dabei die Luft zum Atmen abzuschnüren, denn verkleisterte Strukturen sind ihre Sache nicht. Eher wird eine gewisse klapprige Qualität aufrechterhalten, die der Musik einen spontanen Straßenmusik-Charakter verleiht. Auch wenn die Band mittlerweile mit richtigem Schlagzeug arbeitet, bleibt Stepptänzerin Jamie, ehemals alleinige Rhythmuslieferantin von Tilly And The Wall, ein wichtiger Bestandteil des Gruppensounds. Oft stellt sich der Eindruck ein, es sei ihr Verdienst, dass die Musik ob all der überdrehten Akustikgitarren, Trompeten und anderem tollen Klimbim nicht die Bodenhaftung verliert. In dieser Hinsicht kommt dem Song "Beat Control" eine signifikante Bedeutung zu. Nicht nur bringt der Titel die rhythmusorientierte Arbeitsweise von Tilly And The Wall auf den Punkt, seine eher elektronische, bassige Ausrichtung scheint auch Ausblick zu gewähren auf das, was man in Zukunft von der Band erwarten darf: "Der Song repräsentiert die Musik, die mich momentan am meisten interessiert", so Kianna. "Ich schrieb ihn vor ca. einem Jahr, als wir uns alle gerade Laptops gekauft hatten. Vorher hatte ich nie einen Computer, also auch keine Programme, die mir beim Songschreiben halfen."

Neben besagtem "Beat Control" tragen auch "Dust Me Off" und "Falling Without Knowing" Spuren der neuen Herangehensweise in sich, welche sich auf dem Vorgängeralbum "Bottoms Of Barrels" von 2006 vorsichtig mit dem Song "The Freest Man" ankündigte. Dabei beeilt sich Kianna, darauf hinzuweisen, dass die Neuorientierung keineswegs das Ende des Steppens bedeute: "Ich finde es gut, alles miteinander zu vermischen."



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aus Intro #166 (November 2008)
 
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