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Grace Jones

Grace Me Like A Jones

20.10.2008, 17:18, Text: Alexander Major, Thomas Venker

20 Jahre war sie weg. Zu spüren ist davon allerdings nichts: Grace Jones schließt mit "Hurricane" nahtlos an ihr bisheriges Oeuvre an der Schnittstelle von Disco, Dub / New Wave und Pop an, weckt Erinnerungen an Filmmomente an der Seite von James Bond, Partyanekdoten mit Andy Warhol und musikalische Offenbarungen mit Sly & Robbie. Alexander Mayor und Thomas Venker nahmen die Diva in die Mangel - oder war es doch andersherum? Übersetzung: Azhar Syed.

Herzlichen Glückwunsch zum Comeback!
[verzieht das Gesicht] Comeback? Das Wort "back" verbinde ich immer noch mit meinem Rücken!

Okay, wie fühlt es sich an, ... weiterzumachen?
Man könnte durchaus Rückkehr sagen. Es ist wie in Gloria Swansons Film "Sunset Boulevard". Da sagt sie nämlich: "Ein Comeback gelingt einem so schwer ... Es ist eine Rückkehr!" Es ist wie Urlaub. Comeback klingt hingegen wie Lazarus, der von den Toten aufersteht. [bricht in schallendes Gelächter aus]


Das neue Album klingt ja auch so, als wären Sie nie weg gewesen: diese düstere Symbiose aus Pop und Reggae, dazu noch der deutlich hörbare Einsatz von Synthesizern ...
Das war auch von Anfang an mein Vorhaben. Als ich die Arbeiten zur Platte mit meinem Ko-Produzenten Ivor Guest erstmals aufnahm, wollte ich einfach nur den alten Zauber wieder aufleben lassen, arbeiten, wie ich es schon immer gewohnt war. Dazu kamen noch Gastmusiker wie Sly und Robbie, die Compass-Point-Musiker ... Sie alle sind in verschiedenen Songs zu hören, aber nur auf einem einzigen zusammen ("Well Well Well"). Außerdem wollte ich den verstorbenen Alex Sadkin ehren. Brian Eno ist übrigens auch zu hören, er wollte zwar partout nicht produzieren, aber wir konnten ihn dazu bringen, ein paar interessante Sounds beizusteuern. Er wollte einfach nur ein bisschen Spaß haben und ein wenig jammen, aber er stand darüber hinaus netterweise noch mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben ihn also tatsächlich manchmal angeklingelt, wenn es was gab.

Warum haben Sie so lange für eine neue Platte gebraucht?
Ach, ich war lange Zeit schlichtweg frustriert von allem ... Ich wollte einfach was anderes machen und mich dem Filmgeschäft widmen. Musik wurde für mich mehr und mehr zu einer monotonen Sache, die bspw. mehr mit Samplen als mit dem eigentlichen Spielen zu tun hatte. Man steuert selbst fast nichts mehr bei, und am Ende klingt es einfach nur nach Konserve. Lärm, der auf Lärm getürmt ist. Das war der Augenblick, an dem ich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte und das Studio mit den Worten "Wenn das alles ist, dann will ich nicht mehr" verlassen habe.

Video: Grace Jones - "Corporate Cannibal"





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aus Intro #166 (November 2008)
 
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