Bloc Party
Das zweite erste Mal (Part Two)
20.10.2008, 17:00, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Michael Mann
Was haben Kele Okereke und Luke Sutherland, Bloc Party und Long Fin Killie miteinander zu tun? Was steckt hinter den Soundexperimenten auf "Intimacy"? Ist die Zeit des klassischen Songwritings für Bloc Party endgültig vorbei? Glauben die Jungs noch an die Liebe? Teil zwei von Wolfgang Frömbergs Gespräch mit Kele, Matt und Gordon in London.
"This note's for you." (Neil Young)
Der Hype frisst seine Kinder. Kein Wunder, dass Bloc Party erwachsen werden wollen. "A Weekend In The City" hatte diesen Prozess angedeutet. Auf "Intimacy" finden sich weitere Fingerzeige. Noch weniger einschmeichelnd geht es zu. Auch den Soundtrack für den Stopptanz beim nächsten Kindergeburtstag müssen andere schreiben. Dafür bimmelt, wabert und plätschert es ganz ordentlich über lautmalerischen Songzeilen wie "My mercury's in retrograde", die von Kele Okereke zum Teil in avancierten logopädischen Übungen vorgetragen werden. Kollege Martin Büsser musste gar an "HipHop" denken. Ihre typischen Merkmale verleugnen BP allerdings nicht. Zwischen den Spuren ausufernder Ideen findet man sowohl die gewohnt hart zuckende Rhythmusmaschine Matt Tong / Gordon Moakes als auch die scharfkantige Gitarrensäge Russell Lisseck. Das missverständliche Label Britpop haben Bloc Party bereits mit ihrem zweiten Album "A Weekend In The City" abgestreift. Musikalisch sowieso. Aber eine solche Definition hat auch etwas mit der Haltung der Definierten zu tun. Oder möchte jemand ernsthaft behaupten, dass Bands der 90er-Jahre-Cool-Britannia-Generation wie Blur, Pulp oder Oasis Sätze à la "All this tommy-rot and flag waving / Is just getting me down" mit tiefer Verzweiflung zum Ausdruck hätten bringen können, als sie Werbekampagnen für Tony Blair austüftelten? Wohl kaum. Schließlich gehören diese in die Tradition der wahren britischen Patrioten, die in den rebellischen Seventies Slogans wie "No future" nicht aus reinem Nihilismus skandierten, sondern weil sie als besorgte Tommys die falsche Macht- und Wirtschaftspolitik der Regierung bemängelten. Ganz zu schweigen von Paul Wellers chauvinistischer Perle "English Rose".
Bezeichnenderweise heißt der BP-Song, aus dem die politisierten Zeilen stammen, "Where Is Home?". Für den in Nigeria geborenen Okereke, dessen Texte bis an die Grenze des Vermittelbaren persönlich werden, stellt sich diese Frage selbstredend anders als für britische Gallionsfiguren wie Noel und Liam Gallagher, Damon Albarn, Paul Weller oder John Lydon. Während es Lydon durchaus zuzutrauen wäre, den Bloc-Party-Sänger Backstage rassistisch angegangen zu sein, wie der NME kürzlich berichtete, möchte Okereke über diesen Vorfall kein Wort verlieren. Die Wurzeln und die Verortung des aktuellen Bloc-Party-Sounds sind ihm eher einen Kommentar wert. Okereke: "Nach 'Silent Alarm' war das Remix-Album für uns ein ganz entscheidender Einschnitt. Denn da haben wir gemerkt, wie man mit einer guten Idee noch besser umgehen kann. Und wir sind auf den Trichter gekommen, wie Bloc-Party-Songs tanzbar werden." Matt Tong ergänzt: "Wenn 'A Weekend In The City' der erste Schritt einer Loslösung von gewissen produktionstechnischen und gedanklichen Beschränkungen war, dann ist 'Intimacy' jetzt die Schnittmenge aus den Erkenntnissen durch die Remixe, den Reaktionen auf das zweite Album, dem Wunsch, sich immer weiter zu entwickeln ... und nicht zuletzt den Einflüssen von zeitgenössischem R'n'B." Kele Okereke nickt heftig.
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