Max Müller - Die große Kritiklosigkeit Artikelbild (groß)

Max Müller

Die große Kritiklosigkeit

20.08.2008, 09:40, Text: Martin Büsser

Max Müller wagt es, unangenehme Menschen in seinen Stücken anzugreifen. Auch wenn er sich nie so explizit zum "Ende des Kapitalismus" geäußert hat wie PeterLicht, machen alle Stücke auf seiner neuen Platte deutlich: Max Müller hat keine Lust, sich in den Verhältnissen bequem einzurichten.

Stücke wie "Schön und reich" und "Die Welt hasst euch" beziehen nicht nur in den Texten, sondern auch musikalisch Position, sind sperrig und knüpfen direkt an den konfrontativen Art-Punk der frühen Achtziger an. Auf meine Frage, ob Musiker wie Frieder Butzmann oder James Chance damals wagemutiger waren, als Underground noch nicht auf "Alternative"-Standards zurechtgestutzt war, meint Müller: "Damals war es nicht wagemutig, so etwas wie Butzmann oder James Chance zu machen - man hat es halt gemacht. Heute wäre es viel einfacher, aber es macht keiner mehr."


Doch, Max Müller. Und der bekommt dafür in den Feuilletons durchweg gute Kritiken. Aber dieser Zustand beunruhigt ihn auch ein wenig: "Gibt es überhaupt noch schlechte Kritiken? Ich habe schon lange keine mehr gelesen. Alles ist genial. Sind nicht die Kritiker selbst schuld an der Langeweile in der Musik, weil sie die Scheiße nie Scheiße nennen? Über Grönemeyer haben sich immer alle lustig gemacht. Heute sagt die Kritik, dass er ein großer Poet mit großer Aussage sei, dabei ist es immer noch derselbe Mist ... Na ja, eigentlich noch schlimmer."

Max Müller und seine Band Mutter sind nicht zuletzt deshalb Kritikerlieblinge, weil man an dieser Musik das schlechte Gewissen verarbeiten kann: Endlich mal keinen warenförmigen Pop gut finden müssen! Aber warum rebelliert niemand gegen Standard-Pop? Sind die sozialen Rahmenbedingungen, also das Überleben in Zeiten der "Agenda 2010", ein Grund dafür, dass die meisten Menschen Musik nur noch nach Erfolgskriterien beurteilen? Max Müller sieht das viel einfacher: "Nein, ich glaube, den Menschen hier geht es doch Gold. Überleben müssen die Menschen in Indien und sonst wo. Hier sehe ich nicht die Not, schlechte Musik machen zu müssen, damit man überleben kann." Umso schlimmer.



Artikel kommentieren
aus Intro #164 (September 2008)
 
  • Mehr Infos

  •  
Max Mueller
Alle Artikel von Martin Büsser
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]