Booty Bass / DJ Assault / DJ Funk
Assault, I'm coming! ... coming! ... coming!
25.08.2008, 18:09, Text:
arno raffeiner, Foto: Laura, The Friend Attack
Booty Bass ist das geile Gegenteil von Verführung: kopfloser Bassdrum-Sex auf dem Dancefloor. Keine Anklage von Arno Raffeiner.
Es gibt kein Vorspiel, kein Nachspiel. Nur den lauten Boom, jetzt und sofort, und dafür wiederholt im Rhythmus von 140 Wumms die Minute. Ghettotech, Booty House - nennt es, wie ihr wollt. Arschmusik ist immer explizit, pubertär, geradezu lächerlich überzeichnet - und richtig gut für den großen Spaß auf der Tanzfläche. Booty-DJs legen Techno auf wie HipHop. Sie scratchen, cutten, schreien Animationssprüche ins Mikro und reißen die Regler auch mal für eine Werbeeinschaltung runter: "Ich bin der fucking Größte, meine Mix-CDs gibt's am Eingang, und jetzt schwingt den Hintern, ihr Bitches!" Die Lyrics sind da, neben den hinter die DJ-Kanzel projizierten Bikini-Girls, nur mehr das Tüpfelchen auf dem i. Redundant, immergleich und so übereindeutig wie die Beats: "Ass, ass, titties, titties, ass, ass and titties." Es ist die reine pubertäre Freude am pausenlos wiederholten Rumms. Orgasmus, Orgasmus, Orgasmus.
Eigentlich sollte solch eine Veranstaltung bürgerlichen, popistisch aufgeklärten, feministischen, weißen EuropäerInnen vor Entsetzen die Nackenhaare aufstellen. Tut sie auch, allerdings vor Begeisterung. Die Musik ist derart primitiv und plakativ, dass sich eigentlich jedes Nachdenken darüber verbietet. Der Techno-HipHop-Bastard Detroiter oder Chicagoer Machart pumpt derart massiv aus den Boxentürmen, dass beim besten Willen nichts darunter passt, keine Metaebene und noch nicht mal Ironie. Die wird vom Niederfrequenzföhn der Bässe einfach weggeblasen. (Trotzdem sei darauf verwiesen, dass Matthias Schönebäumer kürzlich den humoristischen Überspitzungen von Ghettotech, dessen unterlaufenen Pimp-Stereotypen und v. a. den egalitären Begehrensverhältnissen auf dem Dancefloor nachgespürt hat, siehe Testcard #17.)
Natürlich ist die Musik aufgepumpt oder besser aufgepimpt bis zur Karikatur. Genau deswegen ist sie die übereindeutigste, ja, die wohl authentischste Partymusik, die man sich vorstellen kann. Schließlich lässt sich auch Superman einfach eins zu eins ohne doppelten Boden lesen. Der Mann ist ein Berg aus Muskeln, kann fliegen, hat den totalen Durchblick und wird nur schwach, wenn ihm mal eine Kryptonit-Pussy über den Weg läuft. Insofern ist er einem Typen wie DJ Assault ziemlich ähnlich: Der Detroiter Selfmademan ist Besitzer des Labels Jefferson Ave, weltweit gefragter DJ, Produzent und, wie er selbst mit Stolz betont, auch Sänger von Hits wie "Ass-N-Titties" oder "Bounce".
Mit Ghettotech, wie die Detroiter Variante schneller Booty Music meist genannt wird, will er jedoch nichts am Hut haben. Allerdings nicht wegen der Ghetto-Konnotation - er sagt im Gegenteil klipp und klar: "Das ist Ghetto-Musik." Sondern, weil er nach eigener Aussage der alleinige Schöpfer dieses Sounds ist und sich keine fremden Labels überziehen lassen will. "Niemand kann etwas benennen, das ich geschaffen habe - außer mir selbst." So sei es. Assault bevorzugt also den Begriff Accelerated Funk.
Wenn man diesem Egomanen zuhört, wie er sich als Schöpfer und alleiniger Gebieter der Booty Music in Pose wirft, streift ein etwaiger Gedanke an Selbstironie nicht mal die Randzonen des Gehirns. Der Mann meint es ernst mit seinem Größenwahn. Angesprochen auf gemeinsame Auftritte mit DJ Funk, dem bekanntesten Vertreter des Ghetto House aus Chicago, und mit Ed-Banger-Chef Busy P, ist von so einem Berg Selbstbewusstsein natürlich nicht viel zu erfahren. "Um ehrlich zu sein, ich mag die meiste Dance Music nicht", sagt Assault. Aber kennt er vielleicht Yo! Majesty und ihren offensiv weiblichen Zugriff auf Booty Music? "Diese Girls könnten mir sogar gefallen, aber ich habe ihre Musik noch nie gehört. Aber ich mag es, wenn Leute mehr Booty-Sound machen. Das macht das Ding größer, das hilft mir."
Geholfen wird Assault auch anderswo: Mit Funk Carioca a.k.a. Baile Funk wird gerade eine andere explizite Arschmusik durch das globale Dorf gelobt. Der Bass-Funk aus den Favelas von Rio ist Ghetto-authentisch, exotisch-geil und Hype, u. a. eben auch, weil man hierzulande kein Wort davon versteht. Die Sprache der Beats hingegen ist unmissverständlich. Und der Party wird es bestimmt nicht schaden, wenn eine Deize Tigrona oder Yo! Majesty die üblichen Schweinereien aus der weiblichen Perspektive erzählen. Ich sehe Assaults Hinterteil jetzt schon bouncen.
www.djassault.com
www.myspace.com/djfunk1
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