Mogwai
Welche Hure, welches Vieh schuf den FC St. Pauli?
02.09.2008, 15:00, Text:
Martin Riemann, Foto: Jann Wilken
Was erlauben, Headline? Nun, so grölt Tomte-Sänger Thees Uhlmann immer, wenn er zum Millerntorstadion rollt. Diesmal machten das allerdings Mogwai mit unserem Autor Martin Riemann. Gemeinsam mit 8697 Fans schauten sie das Testspiel St. Pauli gegen VFB Stuttgart und sprachen über Hemmungen, Hass, Fantum und Musik.
Von wegen Blur sind scheiße! Der FC St. Pauli braucht nur ein Tor zu schießen, schon stimmen die beiden Mogwai-Mitglieder Martin Bulloch und Barry Burns mit den Pauli-Fans in "Song 2" ein. Schmäh-T-Shirts drucken zu lassen und auf der eigenen Website Graham Coxon zu beschimpfen ist eine Sache, Fußball eine ganz andere. Die entspannte Stimmung im Stadion versetzt die medial gern griesgrämig agierenden Mogwais in Gönnerlaune. Für Außenstehende erscheint der FC auch tatsächlich als gebenedeit unter den Fußballvereinen. Schon vor dem Stadion erweckt das Publikum eher den Eindruck, ein Rockkonzert stünde bevor.
Und überall laufen nette Männer mit auf den Rücken geschnallten Bierfässern herum. Super. Leider ist in den Fässern Astra, man kann eben nicht alles haben. Nebenbei weist man mich darauf hin, dass der Ausschank von Vollbier in deutschen Stadien keine Selbstverständlichkeit sei. In Glasgow herrsche gar ein generelles Alkohol- und Rauchverbot, und man müsse das ganze Spiel über sitzen. Die Vorstellung, ohne Bier und Zigaretten in einem Fußballstadion zu hocken, ist noch bitterer als das milchige Astra in meinem Plastikhumpen.
Fotostrecke:Mit Mogwai beim FC St. Pauli
Die Begeisterung Bullochs für den Hamburger Fußballclub ist keine absonderliche Schrulle, er ist Celtic-Fan, und zwischen St. Pauli und Celtic Glasgow besteht langjährige Fanfreundschaft. Er zeigt mir seine kreditkartengroße Jahreskarte für die Spiele des Celtic F.C. "Das verdammte Ding kostet 600 Pfund." Dafür sitzt er aber seit ca. 25 Jahren auf demselben Platz. Das ist offenbar noch gar nichts, denn Barry wirft ein, dass Martins Mutter erst so richtig verrückt nach dem Verein sei. Sie reist regelmäßig zu Auswärtsspielen.
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