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Mia.

Im Interview: Und du bist der Kapitän!

18.08.2008, 10:14, Text: Kerstin Grether
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Elegisch-gefühlvoller Pop zum Tanzen und Umarmen. "Willkommen im Club" heißt passenderweise das neue Mia.-Album und knüpft, so die gewagte These unserer Autorin Kerstin Grether, an Nena an. Aber wer die Gute kennt, weiß auch: Die gefühlten Argumente folgen - und die Zeichnung einer Band, die ihre Schwächen akzeptiert hat und genau deshalb so dicht beieinander steht.

Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind eine Radiosendung hörte, in der eine Psychologin zum Thema Nena befragt wurde. Sie sollte das Frauenbild in Nena-Songs analysieren und versuchte sich an "Leuchtturm". Ihr wisst schon, dieses tolle Lied, das mit den Worten "Ich geh mit dir, wohin du willst, auch bis ans Ende dieser Welt" beginnt und mit den Sätzen "Ein U-Boot holt uns dann hier raus, und du bist der Kapitän" endet. Die Expertin behauptete, dass Nena zwar durchaus den Typus der selbstbewussten, starken Frau verkörpere, aber doch die traditionelle Frauenrolle bediene, wenn sie ihm letzten Endes die Leitung des Ganzen überlasse. Schon als Kind spürte ich, dass das Quatsch ist, denn ich hörte in den Nena-Texten vor allem ein Miteinander, war aber befremdet davon, dass Nena ihre Texte nicht selbst schreibt - und gab der Expertin deshalb insgeheim recht.



"Kapitän", der erste Song auf Mia.s neuem Album "Willkommen im Club", beginnt mit den schönen Zeilen: "Lass mich die Welt durch deine Augen sehen, meine Welt wird mir zu klein, stell dir nur vor, du wärst der Kapitän, mein Kapitän." Mia. setzen das Miteinander der Nena-Texte fort und erweitern es um eine magische Offenheit. "Kapitän" beschreibt nicht nur individualistisch ein "Ich" und "Du", sondern gibt ein Beispiel dafür, wie man der eigenen Sicht der Dinge entkommt. Zumindest für die Dauer eines Clubsongs: Willkommen im Club! Den wiederum definieren Mia. im Info zum Album als "Club, der keineswegs elitär ist, sondern ein offener Raum für offene und wahrhaftige Menschen. Eine Spielwiese. Ein Club voller ungeschickter Enthusiasten, leiser Zuhörer und lauter Freunde. Ein Raum voller Trost suchender und Liebe findender dummer Jungs und starker Frauen. Und umgekehrt."

Video: Mia. - "Mein Freund"



Von "Fehlbarkeit" handelt dann auch das neue Mia.-Album, wie es Andy Penn im Interview treffend zusammenfasst. Er spricht von "Fehlbarkeit als Basis" und meint damit, dass man die eigenen Schwächen und die der anderen auch als Stärken anerkennt und als Chance nutzt, Dinge zu erkennen, an denen man etwas ändern könnte. Zusammenarbeit und Zusammenhalt innerhalb der Band kristallisiert sich als Thema des Interviews heraus. Denn eine menschlich und musikalisch "funktionierende" Band zu haben gehört bekanntlich zu den schönsten Formen von Familie, die man sich denken kann.

Andy: "Wir kennen uns privat immer besser. Wir haben erfahren, dass es gut ist, die Stärken und Schwächen der anderen zu begreifen, weil die Schwächen auch gut sind. Wenn ich mal so zurückdenke, wie das war vor elf Jahren, als wir uns getroffen haben: Fünf fremde Menschen, die nicht viel voneinander wussten, haben beschlossen: Wir könnten mal Musik zusammen machen. Jetzt lassen wir uns ständig aufeinander ein - das hat viel mit Vertrauen, Ehrlichkeit und Kommunikation zu tun. Wir sind fünf sehr unterschiedliche Menschen. Dann kommt noch Noah als Produzent hinzu, das inoffizielle sechste Mitglied sozusagen. Und es ist im Endeffekt so, dass wir Musik füreinander machen, weil wir hoffen, dass es den anderen gefällt."


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