Goldie
Exklusiv: Wir haben den echten Stoff!
24.07.2008, 15:23, Text:
Daniel Koch, Foto: Reinaldo Coddou
Graffiti-Artist, Schauspieler, Autor, Drum'n'Bass-Urknall, Labelgründer und sogar Ehrendoktor - das alles ist Clifford Price alias Goldie. Weil er's im letzten Jahr im Melt!-Morgengrauen so schön fand, hat er diesmal gleich seine Metalheadz-Crew mit eingepackt. Daniel Koch hat mit ihm anlässlich des Melt! Festivals gesprochen.
Ist es ein Kompliment oder eine Beleidigung, wenn man euch einen "Metalheadz"-Sound nachsagt?
Ein wenig von beidem: Wir haben schon gewisse Soundmerkmale: die Melancholie, die hörbar ausgefeilten Songarrangements, diese Ying-Yang-Ausgeglichenheit trotz der zahlreichen Sounds, der Streichereinsatz. Ich würde es aber eher so formulieren, dass man unserer Musik anhört, wie sehr wir sie schätzen und respektieren. Man kann uns nicht auf einen Sound festnageln. Und gerade dass macht unsere Stärke aus. Wir können dir einen treibenden Sound in den Arsch jagen, oder dich mit einem "mellow sound" runterbringen. Wir haben verschiedene Styles im Repertoire. Und trotzdem hört man die Metalheadz raus.
Nach fast 15 Jahren seid ihr noch immer im Geschäft. Ist das Label für dich jemals zum Job geworden?
Nein. Es war von Anfang an - und ist es heute noch - eine künstlerische Herausforderung. Ich halte nicht viel von dem Gerede, dass irgendwann das böse Geld ins Spiel kommt, und man sich plötzlich dabei ertappt, nur noch einen Job zu machen.
Was entgegnest du, wenn dir jemand ins Gesicht sagt, Drum'n'Bass sei eine Musik von gestern?
Jeder kann ja denken was er will. Aber, man sollte vorher checken, ob dieser Jemand nicht doch diese verwässerte, kommerzialisierte Scheiße meint, die einige Leute als Drum'n'Bass verkauft haben. Wenn dem so ist, dann solltest du ihn zu uns schicken: Wir haben den echten Stoff!
Man liest deinen Namen ja auch oft in diversen Vorlesungverzeichnissen in englischen Universitäten. Was hat es damit auf sich?
Ich habe ja sogar einen Ehrendoktor, ich könnte mich also auch als Dr. Goldie bezeichnen lassen, wenn ich da Bock drauf hätte. Ich halte da in der Tat Vorlesungen und praktische Seminare über Drum'n'Bass - über die Geschichte, die kulturelle Bedeutung undsoweiter. Ich weiß, das sieht man mir nicht an.
Ist es nicht seltsam, deine Herzensmusik in diesem steifen, akademischen Kontext zu thematisieren?
Ein wenig schon. Ich weiß auch, dass ich da nicht wirklich reinpasse. Aber ich schätze die Arbeitsweise dieser Studenten, ich verstehe so langsam, wie sie denken. Diese akademische Herangehensweise hat etwas sehr ordnendes. Was mir manchmal sehr gut tut. Auf der anderen Seite merke ich, dass sie wirklich etwas von mir lernen können, weil ich das, was sie in ihren Büchern lesen, wirklich erlebt habe.
Die elektronische Musik hat ja in den letzten Jahren nicht zuletzt dank der technologischen Entwicklungen einen wahren Boom erlebt. Wie schätzt du das ein?
Das mag stimmen. Was man heutzutage mit dem richtigen Programm alles anstellen kann, ist schon dolle. Manchmal kommt da auch was Gutes bei rum. Aber man darf dabei eine simple Wahrheit nicht vergessen: All die neuen Elektro-Sounds, mögen sie auch noch so schieben, sie alle klingen nur halb so gut, wie die "alten" Sounds.
Video: Talkin' Headz - The Metalheadz Documentary
Und das waren die Metalheadz @ Melt!:
Doc Scott: Der Hausarzt der Metalheadz. Der Dr. House des Drum'n'Bass. Er hat noch immer mitbekommen, woran das Genre krankt - um es dann selbst besser zu machen als der Rest. Gemeinsam mit Goldie gründete er 1993 Metalheadz. Zur Feier des Tages brachte er seine Buddys Caspa und Skream mit zu Melt!
Commix: Guy Brewer und George Levings sind Teil einer neuen Drum'n'Bass-Generation, die aus den alten Dogmen namens Klangforschung, Avantgarde und Futurismus vor allem eines gelernt hat: Im Grunde geht es immer um Emotionen und gute Vibes.
Storm: Wer nicht zwischen den nächsten zwei laschen Amen-Breaks ganz aus dem Rhythmusraster fallen will, muss selbst Trends setzen. So wie Storm. Sie hat in ihrer langen DJ-Karriere schon mehr als einmal bewiesen, dass sie ganz vorne mitmischt.
Philipp Maiburg: Die eine Hälfte der Phoneheads, die es schafften, die britische Breakbeat-Kunst mit viel Broadway- oder besser: Kö-Glamour aufzuladen. Ihr Stil ist schlicht unnachahmlich: deep, opulent, melancholisch.
Die MCs: Während sich MC Lowqui schon im letzten Jahr mit einer konditionellen Hochleistung und passgenauen Raps dem Melt! an Goldies Seite empfohlen hat, messten sich diesmal auch der wohl beste deutsche Drum'n'Bass-MC Glacius und der Allrounder MC Kemo zu den Metalheadz-Beats.
Mehr zum Melt! 2008 unter www.intro.de/melt
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