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Lykke Li

Mädchen wie wir

12.07.2008, 15:15, Text: Amelie Schneider, Foto: Katja Ruge

Lykke Li ist eine Internetbekanntschaft, nein: Sie ist eine MySpace-Liebe. Ich kann genau rekonstruieren, wann sie begann. Nämlich am 13. Dez. 2007 um 15:32 Uhr, dem Zeitpunkt, als mir ein Freund kommentarlos ein Video postete: Lykke Li "A Little Bit".

Dort singt, post und tanzt ein Mädchen mit einem solch ernsthaften Ausdruck und spaltet das Gegenlicht, als hätte sie ihr eigenes Spiegelbild fest im Blick. Fortan ist sie: die Schwedin mit dem Dutt. Den trägt Lykke so gekonnt, dass ich mich bei unserem Treffen erst mal über ihr Erscheinen mit offenen Haaren wundere. Wie kommt's? "Ich trage ihn nur noch ganz selten", sagt sie, "obwohl er am Anfang tatsächlich eine Art Markenzeichen war. Dann hat auf einmal ganz Stockholm diese Frisur getragen. Da hatte ich einfach keine Lust mehr auf den Dutt." Wir bleiben beim Thema Aussehen. Wie sieht es denn mit Lieblings-Labels aus? "I love Acne, it's the best."


Herrlich! Sie trägt Schuhe, die ich bis jetzt nur an Robyn sah und davor höchstens The Knife zugetraut hätte, Modell: Niara Lace-Up Wedge Sandals by Acne Jeans. Ziemlich teure Krähenfüße auf Plateausohlen, die zu dem oversized Hippie-Leinenhemd sehr elegant aussehen. Dazu Mittelscheitel, black Tights von Ann-Sofi Back, ein Allerlei an Silberschmuck und diese grässlichen 90er-Jahre-Fingerringe, die ich kaum ansehen kann, würden sie nicht durch eine allzu plakative Peace-Zeichen-Kette dezent ironisiert.

Video: Lykke Li - "Little Bit"



Ein Fräulein mit Stil und starkem Willen, das am liebsten alles selbst gestalten würde. Gut, dass sie im richtigen Moment abzugeben wusste und das Produzieren Björn Yttling anvertraute, einem Drittel der Band Peter Bjorn And John. Danach ging alles ganz schnell - und Lykke nach New York. Und das Treiben, das bis dato nur in ihren Songs waberte, wurde real. Sind denn Liebe, Einsamkeit, Frustration und Besessenheit, die zentralen Themen der Platte, die bestimmenden Gefühle einer Anfang Zwanzigjährigen? "Ich denke schon. Im Moment bin ich so sehr auf dem Sprung, dass es geradezu besessen ist. Ich kann keine feste Beziehung führen, weil ich weiß, dass es nie lange halten wird. Ich fühle mich so, als ob ich stetig weiterziehen müsste." Spielt dabei auch die Suche nach der richtigen Stadt eine Rolle? "Ja, wenn ich nicht in New York bin, sondern in Berlin, denke ich: ¥Vielleicht ist es Berlin?? Stockholm ist es definitiv nicht. Aber wir werden sehen, wo ich lande. Ich würde wahnsinnig gerne Madrid ausprobieren - aber das hat noch Zeit, bis ich irgendwann Lust habe, mich mit irgendeinem nice looking Spanish Boy dort niederzulassen." Spricht's und grinst.



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aus Intro #163 (August 2008)
 
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