Kochen Mit...
Tobias Rehberger: Bildergalerie
15.07.2008, 15:12, Text:
Thomas Venker,
linus volkmann, Foto: Rainer Holz
Normalerweise gilt im Ausstellungsbereich des Kölner Museum Ludwig absolutes Essverbot. Aber wenn der Künstler selbst es so will, dann lässt man schon mal fünfe grade sein, wir sind ja immerhin in Köln.
Der Künstler heißt in diesem Fall Tobias Rehberger, ist um die vierzig und liefert mit "Das-kein-Henne-Ei-Problem"- Wandmalerei das ab, was man in Kunstkreisen eine "Mid Career Exhibition" nennt, also eine Light-Version einer Retrospektive - der schöne Versuch, einen Künstler zu Lebzeiten in etwas grelleres Licht zu stellen und nicht erst am Ende oder gar nach selbigem.
Rehberger hat diesen Aspekt der Werkbeleuchtung verinnerlicht und eine raffinierte Lichtinstallation eingerichtet, die rund 40 ausgewählte Werke aus den letzten 15 Jahren an die Wand projiziert. Bei der abendlichen Vernissage wird das von den Kunstprofis "als Überführung des Dreidimensionalen in die Zweidimensionalität" referiert, und ja, so kann man das nennen, wenn Schatten geworfen werden. Neben dem cleveren Trick des Spiels mit dem Vergangenen, den Rehberger so auch bei der Ausstellung im Amsterdamer Stedelijk Museum CS (von wo die Kölner übernommen wurde) ausgespielt hatte, ist es aber der darauf aufbauende gestalterische Eingriff in die Schatten, indem um diese herum neue Zeichnungen und Gemälde entstehen, der das vergangene Werk im Jetzt ankommen lässt.
Fotostrecke:Kochen mit Tobias Rehberger
Bevor wir aber tiefer ins Werk eintauchen, muss erst mal der Hunger gestillt werden. Schließlich sind der Künstler und seine zahlreichen Assistenten bzw. Studenten gerade erst und punktgenau zur Eröffnung fertig geworden. Eine echte Schufterei sei es gewesen, erfahren wir, weswegen auch sehr viel gespachtelt wurde. Bei einer dieser ausgiebigen Mahlzeiten in der Kölner Brauerei Sion hat Rehberger eine fünfzig Zentimeter lange Wurst entdeckt - und so wird nun nicht wie geplant auf dem Museumsdach gegrillt, sondern in Gebetshaltung vor der einladenden großen Fensterfront im Eingangsbereich der Ausstellung Wurst in Senf getaucht. Die Mitarbeiter des Museums, die sonst akribisch jede Nahrung draußen halten müssen, nehmen es mit Humor und holen sich alle ihren Biss Wurst ab, eingeschlossen Museumsleiter Kaspar König, dem das Szenario sichtlich gefällt. Und auch Kölsch wird bedenkenlos an den "Tisch" geliefert.
In seinem Frankfurter Atelier unterhält Rehberger einen Mittagstisch für seine Mitarbeiter und sich. Eine nette soziale Geste, aber auch mehr: Für ihn ist diese Stunde am Mittag, in der man sich in Ruhe austauschen kann, sehr wichtig, um ein Gemeinschaftsgefühl im Team zu entwickeln. Deswegen sieht er es auch nicht gern, wenn nicht alle kommen. Gekocht wird in der Küche des Labelbetreibers und Clubmachers Ata Macias, der die Etage über dem Rehberger'schen Atelier angemietet hat: "Er hat eine fette Profiküche. Und da dachten wir uns, die könnten wir auch für uns nutzen. Zuerst hatten wir einen durchgeknallten Voodookoch, der so komische unzusammenhängende Sachen wie Pfannkuchen mit Trüffelsoße gemacht hat. Unser Ideal ist aber eine ältere Hausfrau, die so kocht wie früher nach der Schule: mal Schnitzel mit Spargel, mal angebratene Knödel mit Soße, Sachen, die man sonst nirgends essen kann, die es nur gibt, wenn die Mutti zu Hause kocht."
Diese Gemütlichkeit passt zum Künstler: Rehberger hat ein sehr entspanntes Verhältnis zur Arbeit. Eigentlich ist es keine solche für ihn, sondern schlicht ein tolles Spielfeld. Im Team hat er "natürlich immer das letzte Wort", es ist ihm aber wichtig, dass "die Ideen der anderen als Entscheidungshilfe" mit einfließen. Es ist ein gegenseitiger Prozess des Gebens und Nehmens. Seine Assistenten und auch die Studenten, die er an der Städelschule unterrichtet, bekommen dafür von ihm Tipps, wie man sich richtig im Kunstmilieu platziert: "Generell sollte man sich auf das konzentrieren, was man gut findet - ob das andere dann gut finden, das ist Zufall. Diesen Job muss man 50 Jahre machen und nicht zwei, da wäre es eine Katastrophe, wenn man permanent mit Dingen und Leuten zu tun hat, die man nicht mag: Sie sollen sich in den Kreis von Leuten begeben, mit denen sie gern zu tun haben wollen."
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