Conor Oberst
Conor Oberst
15.07.2008, 15:09, Text:
Jens Friebe
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Conor Oberst goes solo. Dabei gehörten die Bright Eyes doch bislang zu ihm wie Beck Hansen zu Beck. Warum er sie trotzdem diese Saison im Dorf lässt, die Kirche aber mal wieder nicht, erzählt er, neben anderem, an einem grauen Tag Jens Friebe.
Conor Oberst macht noch irgendwas am Laptop. Erst, als ich mich auf den Sessel neben der Minibar gesetzt habe, dreht er sich zu mir um und begrüßt mich so, als wäre er angenehm überrascht, dass jetzt nach dem neunten das zehnte Interview des Tages stattfindet.
Die Freude ist so charmant, dass man sie um keinen Preis für gespielt halten will, und überhaupt geht von Oberst etwas Grundsympathisches aus, eine Mischung aus Unschuld, Tiefe und gutem Aussehen, als müsse coming of age niemals enden - zumindest nicht für ihn, das ewige Wunderkind. Mit dreizehn begann er, Musik zu machen, und veröffentlichte sie auf seinem eigenen Label, aus dem später Saddle Creek entstand.
Den meisten Songwritern wäre es mit Sicherheit peinlich, ihre ersten pubertären Versuche nicht als verstaubte Kassetten im Bettkasten, sondern als schweres Vinyl in der Welt zu wissen. Oberst hat damit kein Problem, denn er hat keinen Grund, sich zu schämen, und wenig Distanz zu dem frühreifen Songwriter, der er war: "Natürlich gibt es eine Veränderung in der Produktion, darin, wie die Sachen klingen. Und natürlich beschäftigen einen mit 13 andere Dinge als mit 28. Aber an meiner Art, die Erlebnisse zu verarbeiten, sie in Songs zu verwandeln, hat sich ... erschreckend wenig geändert. Die Ideen kommen immer noch vom gleichen rätselhaften Ort."
Der rätselhafte Ort, von dem Oberst selbst kommt, heißt Ohama. Dass sich dessen Klang heute für viele Menschen mit Musik verbindet, ist nicht zuletzt das Verdienst der Bright Eyes. Der Erfolg der Band färbte auf die gesamte lokale Szene ab und ermöglichte einen Hype, auf dessen Höhepunkt Michel Stipe erklärte, die beste Musik derzeit komme eindeutig aus Ohama.
Die Bright Eyes standen für eine Verbindung von klassischem Songwriting und anarchisch-magischer Kraftpoesie, wie es sie seit Leonard Cohen so nicht mehr gab. Und Oberst stand für die Bright Eyes, war nicht nur Sänger und Autor aller Songs, sondern galt auch als einziges ständiges Mitglied. Was für einen Sinn macht da eigentlich ein (übrigens selbst betiteltes) Soloalbum? "Das ist ein allgemeines Missverständnis, dass die Bright Eyes mit mir identisch sind. Früher war es so, aber auf der ¥Cassadaga? waren wir eine richtige Band. Ich würde es als einen Affront gegen Mike Mogis und Nate Walcott verstehen, wenn ich eine Platte, die ich mit anderen mache, unter Bright Eyes veröffentlichen würde."
Was natürlich zur Frage führt: Warum eine neue Band? "Die anderen hatten einfach keine Zeit. Mike Mogis hat Kinder, und er produziert ja auch viele andere Sachen. Ich wollte aber was machen, also habe ich mir eine neue Truppe gesucht. Für den Hörer ist es sicher nicht sensationell anders - aber für mich war es ein völlig anderes Arbeiten. An ¥Cassadaga? haben wir ein Jahr lang wie besessen rumgefeilt, debattiert, wie man was warum aufnimmt. Jeder einzelne Song war wie eine Bergbesteigung. Für das aktuelle Album haben wir uns einfach in ein Landhaus zurückgezogen, unsere Instrumente eingestöpselt und ein paar Songs aufgenommen."
Mehr als eine runtergekochte Laisser-faire-Version der Bright Eyes kann man also von Oberst solo nicht erwarten. Aber mehr wünscht man sich ja auch nicht. Denn O. schafft es - ähnlich wie die Go-Betweens bis zu McLennans bitterem Ende -, die traditionelle Form so sehr mit herzzerreißenden Phrasierungen und lyrischem Reichtum zu füllen, dass man das Traditionelle daran vergisst. Die Zeitachse verschwindet, genauso wie im Text von "Cape Canaveral", dem Starter des Albums. "Oh, oh, oh, brother totem pole", fängt es an, schlicht und anheimelnd gruselig wie ein Kinderlied in einem Stephen-King-Film, und der Strom der folgenden Verse reißt einen Poltergeist, Sokrates, eine Rakete und ein UFO mit sich, und all die Maskottchen aus all den verschiedenen Dimensionen und Zeitaltern landen im gleichen Meer einer unbestimmten ewigen Sehnsucht.
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putmytrustinyou 30.07.2008 | 21:25:47
Omaha, es heißt Omaha
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