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No Age

Nouns

[Sub Pop / Cargo]

15.07.2008, 15:03, Text: Martin Büsser

Sie sind das Quirligste, Ungestümste und Radikalste, was Sub Pop an Neuzugängen zu bieten hat: No Age aus Los Angeles spielen verrauschten, ultra-verzerrten Art school-Punk in der guten, langen Tradition von Bands wie Chrome, Throbbing Gristle, Suicide, Pere Ubu ... und natürlich Sonic Youth.

In ihrer Musik bündeln sie noch einmal die intellektuelle Tradition von Punk, die nichts mit einem dogmatischen Musikstil oder dem Tragen von Nietenarmbändern zu tun hat. Ihr Ansatz ist ein konzeptioneller - Art school eben -, einer, der Konfrontation mit Ästhetik verbindet. Das drückt sich allein schon im Artwork ihrer Sub-Pop-CD "Nouns" aus, einer 60-seitigen Sammlung aus Fotos, Collagen und Skizzen, die es locker mit den coolsten Auslagen der Buchhandlung Walther Koenig aufnehmen kann.


Doch No Age sind nicht nur arty, sondern auch catchy. Sie haben den griffigen Cartoon-Sound der Ramones ebenso verinnerlicht wie den hippen Gestus obskurer Noise-Konzerte in improvisierten Galerie- und Fabrikräumen. Beides kommt in ihrer Musik wie selbstverständlich zusammen, was musikgeschichtlich auch gar nicht verwundern muss, schließlich war Joey Ramone ein glühender Verehrer von John Cage.

Dieses Zusammenspiel haben No Age nicht zuletzt dem L.A.-Club The Smell zu verdanken, wo sie zu einer Art Hausband avancierten. In seiner Mischung aus Konzerten und Ausstellungen ist der Club typisch für ein neues, Disziplinen übergreifendes DIY-Selbstverständnis. "Dieses Milieu hat uns ungemein geholfen", erzählt Sänger und Schlagzeuger Dean Spunt. "Solche Orte, wo sich Kunst nicht abgekoppelt von direkter Kommunikation abspielt, sind enorm wichtig. DIY ist alles, was wir kennen und gelernt haben. Aber es ist für uns keine Notlösung, sondern etwas Positives - Ausdruck von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit."

Im Vertrag mit Sub Pop, die sich selbst als Fans an No Age gewandt hatten, sieht Dean keine Gefahr, diese Unabhängigkeit zu verlieren. "Das Label hat doch so großartiges, schräges Zeug wie ¥Burned Mind? von Wolf Eyes veröffentlicht. Dann werden sie auch mit uns klarkommen!" Der Bandname geht übrigens auf einen gleichnamigen SST-Sampler von 1987 zurück, auf dem unter anderem Black Flag, aber auch Freejazzer wie Elliot Sharp vertreten waren. Tradition wird in L.A. noch immer großgeschrieben.



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aus Intro #163 (August 2008)
 
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