CSS
Donkey
01.08.2008, 15:00, Text:
arno raffeiner
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Das gute alte Rock'n'Roll-Leben funktioniert noch als Exit-Strategie. Man darf die Sache bloß nicht so ernst nehmen wie den Job in der Werbeagentur und muss im Gegenzug sein Zuhause mit dem Flugzeug eintauschen. Wie CSS dem Hamsterrad und der Heimat Brasilien entkommen sind, erzählten sie Arno Raffeiner.
Preissteigerung um 600 Prozent in den letzten paar Monaten, Ende des Höhenflugs nicht abzusehen. Im Zeitalter explodierender Erdölpreise wird die Steinzeit wieder zur Zukunft. Nämlich in Form eines grauen, schwer ackernden, gerne auch als störrisch verschrieenen Tierchens. Richtig, es geht um den Esel. Der wird in bestimmten Regionen der Welt als Last- und Arbeitstier immer beliebter und steigt enorm im Wert, während der Traktor mit seiner fossilen und viel zu teuren Antriebsmaschinerie im Schuppen weiter vor sich hin rostet. Heu ist der Treibstoff von morgen, der Fortschritt ist von vorgestern, I-ah-Investmentfonds retten die Weltwirtschaft. In den Wirtschaftsteilen der Tagespresse wurde über dieses Phänomen schon genug gewitzelt. Doch genau besehen ist die Sache mit dem Esel alles andere als lustig. Womit wir auch beim eigentlichen Thema wären.
Machen wir's uns einfach mit dem Schwenk zu CSS: Deren zweites Album nennt sich schlicht "Donkey". Die Band stammt aus São Paulo in Brasilien, einem Land, in dem große Teile der Landbevölkerung froh wären, wenn sie sich einen Esel überhaupt leisten könnten. Doch CSS haben es weit über die Grenzen des Landes hinaus geschafft. Seit zwei Jahren sind sie als weltweit schuftende Party-Performance-Truppe bekannt. Die große Hipster-Geschichtsstunde mit Lektionen von der Post-Punk-Steinzeit über frischen Kuhglocken-Funk bis zur bunten Electrorock-Gegenwart fand auf ihrem Debütalbum statt. Weiterer Hype-Treibstoff ist mittlerweile nicht mehr nötig. Damit dürfte klar sein: Heute beginnt die Ära von CSS.
Nicht gekommen, um rumzuspazieren
Ana Rezende dos Anjos, Carolina Parra und Lovefoxxx sitzen unter dem freien Himmel über Potsdam. Sie trinken Kaffee und Kräutertee, reden sich den Mund fusselig und füttern nebenbei die Spatzen, die frech zwischen unseren Beinen herumhopsen. Die zwei weiteren Bandmitglieder Luiza Sá und Adriano Cintra sind derweil in London, dem neuen Basislager von CSS, geblieben und versorgen von dort aus den Rest der Welt mit Telefoninterviews. Das ehemalige sechste Mitglied, Bassistin Ira Trevisan, hat die Band vor Kurzem verlassen. Sie will sich wieder mehr der Kunst und der Mode widmen, außerdem konnte sie ein Leben im Flugzeug - Stichwort Klimawandel - nicht mehr mit einem ruhigen Gewissen in Einklang bringen.
Die verbliebenen glorreichen Fünf aber wollen es jetzt erst recht wissen. "We didn't come into the world to walk around", singt Lovefoxxx im Eröffnungsstück des zweiten CSS-Albums, "we came here to take you out." Planlos rumspazieren gilt nicht. CSS wollen raus. Raus aus Brasilien. Raus aus dem Hamsterrad der Kreativjobs. Raus aus der Alltagsroutine - und rein in eine neue: Konzerte, Touren, Feten, NME-Cool-Lists, Klaxons, Gwen Stefani, die große weite Welt.
CSS haben ihren Ruf als Partytruppe weg, die kaum eine Gelegenheit zum Feiern auslässt. Ihre energetischen Live-Shows sprechen da Bände. Doch zum Glück haben Ana, Carolina und Lovefoxxx zwischendurch auch die Gelassenheit, mal in den Müdigkeits-Autopiloten runterzuschalten, wenn das Programm bloß Interview, Interview, Interview heißt. Andernfalls stünde wohl bald ein Burn-out bevor. Der ist noch weit entfernt, als wir uns am Vorabend des Potsdamer Kaffeekränzchens in Berlin zum 23-Uhr-Dinner treffen. Nach zwei Mojitos als Begleitung zu vegetarischen Burgern und Burritos ist auch schon Schluss. Etwas geschafft, aber fröhlich erzählen die drei nebenher von ihrem neuen Zuhause in London und von den vielen brasilianischen Arbeitskräften im Niedriglohnsektor dort, die tatsächlich noch nach dem Mythos "Gastarbeiter" funktionieren: kommen, rackern und zurück nach Hause. Zwei Sekunden später schließen sie schon 1000-Pfund-Wetten über das Instrument von Kenny G ab. Lovefoxxx und Ana schwärmen vom "Sex And The City"-Film und bedauern, dass sie zur Premiere in London zwar eingeladen, zum Termin aber gerade in NYC waren, während Carolina ihre Wunschvorstellungen von einer explodierenden Sarah Jessica Parker ausmalt. Bei CSS ist eben immer die ganze Bandbreite der Gegensätze drin.
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Der Rote Rote Baron 05.08.2008 | 21:40:22
Funky Grunge!!!
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