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Sub Pop

Sub-Pop-Mitbegründer Jonathan Poneman redet gegen die Nostalgie

15.07.2008, 15:13, Text: Thomas Venker, Julian Stetter
[2 Kommentare]

Sub Pop, das kommt von Subterranean Pop, dem Namen des Fanzines, das Bruce Pavitt Ende der 70er selbst kopiert unter die Punks warf. Dann traf er auf Jonathan Poneman und machte Geschichte in Grunge. Die beiden gründeten Sub Pop und starteten bekanntermaßen damit eine Revolution in Rock, nach der in der bis dato überschaubaren US-Indie-Welt nichts mehr war wie zuvor. Thomas Venker und Julian Stetter interviewten Poneman anlässlich der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen.

Gab es Zeiten, in denen, bedingt durch die immense Wahrnehmung, mit der dem Label plötzlich begegnet wurde, der Name von euch nicht mehr als richtig empfunden wurde? Irgendwann war Sub Pop ja nicht mehr wirklich die Undergroundvariante von Pop, sondern dieser in Großbuchstaben.
Sub Pop war für uns immer der richtige Name für das Label. Das Label wurde ja von meinem früheren Partner Bruce Pavitt ins Leben gerufen, und zu dieser Zeit war es sehr schwierig, mit Underground-Musik irgendwelche Gewinne zu erzielen. Das ging nur mit Hilfe von Fanzines, Mailordern oder Ähnlichem. Es war einfach ganz und gar nicht Mainstream, was wir im Programm hatten. Bruce hat damit in den frühen 80ern angefangen. Der Unterschied zwischen damals und heute ist das Internet. Underground-Kultur existierte, damals musste man sie aber noch selbst entdecken und konnte das, indem man für Fanzines oder in Plattenläden arbeitete. Die meisten Sachen findest du heute auch über den Computer. Trotzdem ist die Underground-Kultur immer noch sehr lebendig. Die Avantgarde ist in Kultursachen immer noch im Untergrund aktiv, und die Dinge, die heute neu und bahnbrechend sind, haben häufig morgen ihren kommerziellen Durchbruch.


Nach dem Goldrausch - oder wie wir diese seltsamen Jahre überschreiben wollen, in denen Seattle zum Mekka der Musikwelt wurde - und dem Verkauf von 49 % der Firma an die Warner Music Group schien es, zumindest in Europa, als wäre das Label verschwunden. Wie siehst du rückblickend diese doch spezielle Zeit in der Geschichte des Labels?
Natürlich fühlt sich diese Zeit ganz besonders an. Es ist total schwer zu begreifen, dass es nun fast 20 Jahre her ist, seit diese Dinge in Seattle aufkamen. Dieses Jahr ist es 20 Jahre her, seit Bruce und ich das Label zu unserem Full-Time-Job gemacht haben. Auf der einen Seite fühlt es sich an, als wäre es schon ewig her, auf der anderen kommt es mir vor, als sei all das erst gestern passiert. Die Szene hat sich entwickelt, ist nicht mehr so klein wie damals, und trotzdem gibt es dort viel Gutes. Das Beste daran ist, dass mehr Leute an der Musikszene arbeiten als jemals zuvor.

Gab es eine Zeit, in der du daran dachtest, das Label aus ökonomischen Gründen zu stoppen?
Es gab nie wirklich wirtschaftliche Gründe dafür. Wir hatten viele gut dokumentierte Top-Times. Als Bruce und ich das Label ins Leben riefen, gab es oft Momente, in denen wir dachten, wir werden nie Geld damit machen und müssen doch zurück zu den üblichen Jobs als Fritten-Koch oder sonst was. Nach den ersten Monaten hatten sich unsere Sorgen aber gelegt. Das hatte nicht in erster Linie mit dem Geld zu tun, sondern mit der sich ändernden Lebensqualität. If you only pee for money, mögen dich die Menschen nicht besonders. Ich kenne das. Wenn ich mal kein Geld habe, sympathisiere ich mit Leuten, die welches haben, und man hilft sich gegenseitig aus. Am Ende führt das aber doch nur zu irgendwelchen Spannungen. Wenn du also unabhängig vom Geld handelst, machst du Dinge, die dein Selbstwertgefühl steigern. Es gab also häufig Momente, in denen wir darüber nachdachten, das Label zu kicken, aber nie wirklich aus finanziellen Gründen. Es gab immer einen Weg, sich da durchzudrücken, und oft nur wegen der Güte anderer Leute, gewollt oder nicht.


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aus Intro #163 (August 2008)
 
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  • User: Spatz
  • Spatz 24.07.2008 | 00:31:27

    Sehr schönes Interview. Schade, dass im Heft nur ein Auszug abgedruckt ist.

  • User: Trondheim
  • Trondheim 10.08.2008 | 13:23:48

    Wirklich sehr schönes Interview. Und absolut verdiente Titelstory.

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