Jason Pierce (Spiritualized)
3 Einwürfe
18.06.2008, 16:31, Text:
Joachim Henn, Foto: Jason Pierce
[1 Kommentar]
Können Ventile und Katheder wirklich ästhetisch aufbereitet werden? Liegt die Zukunft der Indielabels im Kunststoff? Joachim Henn hat nachgefragt. Jason Pierce hat geantwortet
Wieder hat eure Platte ein außergewöhnliches Artwork ...
Wir haben Fotos gemacht von all dem winzigen Kunststoffkrempel, der die Leute auf der Intensivstation am Leben hält. Solche Dinge, Ventile und Katheter usw., gehören alle zu dieser Welt, die man für selbstverständlich hält. Sie sind im Wesentlichen wertlos, und doch haben sie einen großen Nutzen. Diese 20-Pence-Dinger sind wahrscheinlich mit die wichtigsten Gegenstände, aber jeder begreift diese Welt als bestehend aus großen Maschinen, betrieben mit riesigem finanziellen Aufwand, der die Leute am Leben hält. Und doch hängt alles von diesen kleinen Dingern ab. Sie sind einfach auf seltsame Weise schön, und wenn man dann Fotos von solch unterbewerteten Dingen macht, die die Leute teilweise nicht mal wahrnehmen, dann trifft sich das mit dem Album ...
Das steht also in der Tradition ...
Die Leute wollen Dinge billig herstellen und billig verkaufen, nach dem Motto: "Was ist die kostengünstigste Einheit, mit der wir am meisten Geld verdienen können?" Ich war immer der Überzeugung, dass, wenn man Zeit und Anstrengung investiert und etwas auf eine schöne Art präsentiert, die Leute es haben wollen. Und selbst wenn nicht, macht das nichts aus. Mississippi Records in Portland produziert zum Beispiel nur in 300er-Auflagen, die handgedruckt und wunderschön sind. Und es entwickelt sich eine unglaubliche Nachfrage, da die Leute das Handgedruckte sehen. Das war auch unsere Motivation: etwas Schönes zu machen, ein Kunstwerk, das für uns einen großen Wert hat, keinen Gimmick, nicht mal eine limitierte Auflage. Sie ist so unlimitiert, wie wir es uns leisten konnten. Wir hatten 50.000 von den Pillenpackungen, 50.000 mit den Holografien, weil ich das einfach für wichtig hielt. Es müsste sehr wichtig sein.
Nicht jeder würde so viel Zeit darauf verwenden ...
Leider ist Musik mehr eine Art Bedarfsartikel, bei dem es darum geht, wie man ihn raushauen und Geld verdienen kann. Diese Einstellung kam wohl mit den CDs auf. Wir sahen uns die CD-Verpackungen an und bemerkten, dass sie alle den gleichen Fehler hatten: dass die Vorderseite einen Sprung bekam, die Scharniere kaputt gingen. Und jeder kaufte sie einfach, niemand sagte: "Das ist Ramsch!" Aber heute sagen die Leute vielleicht: "Wir wollen die Musik und nicht diesen Ramsch. Wir wollen nicht, dass sie uns so verkauft wird." Uns ging's im Wesentlichen darum, dass unsere Musik nicht als Ramsch vermarktet wird, als billige Einheitsware. Wie viel gibt man für ein Cover aus? Weniger als einen Penny. Warum das? Glaubt man, es hätte keinen Wert?
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fistROCK_Büchner 27.06.2008 | 00:34:44
Baronet
danke. endlich.
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