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Martina Topley Bird

Haben und Sein

25.06.2008, 18:00, Text: Lutz Happel

Die Gefahr bei einer Muse ist, ewig in einem Atemzug mit dem Typen genannt zu werden, den sie einst inspiriert hat. In diesem Fall ist der Typ Ex-Lebensgefährte Tricky, dessen erste drei Soloalben Martina Topley Bird mit ihrer Stimme bereicherte.

In der Praxis allgemeiner Wahrnehmung war sie demzufolge nicht eigenständig, sondern eben die weibliche Stimme auf "Maxinquaye". Ein bisschen ungerecht ist das schon, allerdings hat Topley die Schubladisierung genährt, indem sie auch danach viel Zeit mit Kollaborationen (Gorillaz, Primus, Mark Lanegan, Jon Spencer Blues Explosion, Diplo) zugebracht hat; und selbst ihr Debüt "Quixotic" vor fünf Jahren konnte sie nicht von diesen ganzen Bezugspunkten lösen.


Nun stellt sich die Frage, was bei dem Experiment herauskommen kann, mit einem derartig gewaltigen Produzenten wie Brian Burton (alias Danger Mouse) eine ganze Platte aufzunehmen. Die Gefahr dabei ist, als Sängerin im Schatten des Überproduzenten zu verblassen - aber Entwarnung: Dem ist nicht so. "The Blue God" ist ein scharf geschliffenes Female-Pop-Glitzerding, sehr sanft und zart und, obwohl komplett in Los Angeles produziert, so englisch wie Fish'n'Chips. Die ausschweifenden musikalischen Abenteuer, die in Bristol mit "Maxinquaye" begannen, haben Martina Topley Bird nicht verwirrt, sondern ganz im Gegenteil zu einem unaufgeregten, spielerischen Futurepop-Entwurf geführt, mit lässigen Singalongs, Slidegitarren, Rhodes-Orgeln, zu wolkenloser Popmusik mit einer Brise Bitterkeit hier und dort, irgendwo verortet zwischen Beck Hansen im Anzug, Stereolab und einer fernen Erinnerung an Tricky.



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aus Intro #162 (Juli 2008)
 
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