Late Of The Pier
Find Yourself A New Boy
27.06.2008, 17:23, Text:
Elena Lange, Foto: Holly Erskine
Im Vereinigten Königreich regiert bereits die Post-Klaxons-Ära, spätestens im Herbst letzten Jahres von Englands "most exciting band on the planet" (Erol Alkan) eingeleitet: Late Of The Pier.
Die vier Jungens aus Castle Donnington, Nottingham, bekannt für Robin Hood und Stahlgewitter, treten in England durch fulminante Liveshows in Erscheinung, bei denen diverse Schuhe, ärmellose T-Shirts oder auch die Sängerstimme Samuel Dusts verloren gehen. Ein paar aggressive Synthies, "Wir klingen überhaupt nicht wie die Klaxons"-Kommentare und durch boyish good looks hergestellte Popkompatibilität später war der Hype um LOTP nicht mehr aufzuhalten.
Die Musik indes ist gut anzuhören: In ihrem besten Stück, "Bathroom Gurgle", kiekst, krächzt und falsettiert Samuel sich durch treibenden New-NRG-Synthierock und besingt die eigene Komposition mit den Worten "So put your hands on your waistline / And move your body to the bassline", um gleich darauf klarzustellen, dass Prince und Marc Bolan auch irgendwo Brüder im Geiste sind, wären da nicht der verdammte Gary Numan und ein gewisser "Zappa'esque prog squirl" (so der NME), die dem Ganzen den Beigeschmack von 1981 verleihen. Die von Erol Alkan produzierte Single erschien im September 2007 bei Moshi Moshi Rec. und verhalf dazu, ihre Musik als "music to have asthma to" zu charakterisieren. Meine Diagnose: Bitte mehr davon. Humorvoll zeigen sich die bildhübschen Musiker auch im Video zu "The Bears Are Coming", einem state of the art Clip mit mittelalterlichen Gewändern, Sci-Fi-Trash und Sklaven-Exodus-Anspielungen (Bären vermisst man allerdings), die sich von einem tristen englischen Skin-Prollmädchen wieder in die Realität zurückholen lassen.
Besser als die Klaxons ist das allemal. Die im März bei LOTPs eigenem Zarcorp-Label veröffentlichte Single mit dem schönen Cover ist bestückt mit Mixen von Emperor Machine, Joakim und selbstverständlich einem Beitrag von Erol Alkan in Form seines electrokrautigen Projekts Beyond The Wizard's Sleeve. Im Mai legte man noch die Single "Focker" obendrauf. Hier werden Schnelligkeit und Ekstase per se stilisiert, was wohl an dem fiesen Sequencer-Sound liegen mag, der mir etwas schwer in der Lunge liegt. Flockiger wird es dank Erol Alkans geschicktem Händchen bei der Produktion. Derselbe produzierte auch unlängst das im August bei Parlophone erscheinende Album "Fantasy Black Channel". Asthmatiker sollten den Kauf des Albums erwägen.
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