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Lützenkirchen

Paniert und Ding Dong Ding Dong

29.05.2008, 12:47, Text: Martin Riemann, Foto: Arne Sattler

Nie ins Bett müssen. Ein uralter Menschheitstraum. Es sei denn, man sitzt in Guantanamo Bay. Mit Folter hat Tobias Lützenkirchens Überhit '3 Tage wach' allerdings eher wenig zu tun. Martin Riemann checkt die Genese des erstaunlichen Selbstläufers und lässt sich von der After-Hour-Szene berichten. Oder war es sogar die After-After-Hour-Szene? Schwierig zu sagen. Die Grenzen zerfließen, wenn man sich über einen längeren Zeitraum von 130 bpm im 4/4-Takt hypnotisieren lässt. Denn Techno ist nichts anderes als eine Form der Hypnose, und die funktioniert natürlich am besten mit kurzen suggestiven Phrasen. Wie wäre es mit dieser: "Pille Palle, alle pralle; druff druff druff druff druff." Konkret, oder?


Wie bei so vielen simplen Ideen ist das Erstaunen über die Attraktivität dieser Zeilen, die im Song mit Orff'schem Kirchenchor-Pathos zur Wirkung gebracht werden, riesengroß. Lützenkirchen hat hier offenbar als Erster den Wald vor lauter Bäumen gesehen und die Szene, die er jahrelang von seinem DJ-Pult aus beobachten konnte, so treffend skizziert, dass der waschechte Novelty-Song momentan Pflichtprogramm für viele Clubs ist, jedenfalls, wenn man den Dance-Charts glaubt, die '3 Tage wach' seit geraumer Zeit anführt.

Komm mal mit, ich muss dir was vorspielen!
Der Lützenkirchen oder Lütze, wie man ihn hier nennt, der mir in Berlin gegenübersitzt, ist immer noch völlig weggeblasen von seinem ungewollten Aufstieg zum Hit-Produzenten. Das Stück hatte er ja schließlich nur zum Spaß aufgenommen und zunächst niemandem vorgespielt. Schon gar keinem Publikum. "Das hab ich mich nicht getraut", gesteht er. "Ich weiß selbst nie so genau, ob das jetzt geil ist oder totale Scheiße, was ich produziere. Als ich den Song fertig hatte, war das noch extremer so, da habe ich mich nicht mal getraut, den irgendjemandem beim Label vorzuspielen. Ich hab mir dann einen Typ von der Filmcrew, die auch in unseren Räumlichkeiten arbeitet, gegriffen und es ihm vorgespielt."


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aus Intro #161 (Juni 2008)
 
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