Booka Shade
Noch mehr Blockbuster
14.05.2008, 18:09, Text:
arno raffeiner, Foto: Arne Sattler
Sie sind die Sound-Philosophen des neuen Konsens' von Dancefloor bis Festivalbühne. Auf ihrem dritten Album klingen Booka Shade traumwandlerisch sicher und von Emotionen berauscht. Arno Raffeiner fragte nach den Konstanten ihrer Historie.
Vier Schnappschüsse hinter Glas, alle mit ähnlichen Motiven. Ein schmaler Jüngling steht am Mikrofon hinter einem riesigen Keyboard, in seinem Rücken bearbeitet ein etwas bärig wirkender Typ sein Schlagzeug. Auf einer großen, bunt beleuchteten Bühne wirken die beiden ein wenig verloren, doch in ihrer Schlichtheit erscheint die simple Zweierkonstellation absolut zwingend.
Die Fotos, die Walter Merziger und Arno Kammermeier alias Booka Shade während eines Gesprächs in ihrem Studio rüberreichen, wurden vor über zwanzig Jahren geschossen. Ihre Synthie-Pop-Band Planet Claire gab es damals noch nicht, die Frankfurter Techno-Szene noch weniger und erst recht keine TV-Formate wie "Star Search" oder "Big Brother". Mit all dem sollten Merziger und Kammermeier in ihrer Rolle als Hitproduzenten erst Jahre später zu tun bekommen. Heute blicken sie auf eine gemeinsame Karriere mit mehreren Umbrüchen zurück, und doch hat sich für sie seit diesen vier Schnappschüssen im Grunde kaum etwas verändert. Bis auf das Format: Ihr Sound hat massiv an Volumen zugelegt, die Keyboards wurden noch größer und zahlreicher, und die Live-Show von Booka Shade ist gigantisch und füllt heute rund um die Welt Konzerthallen ebenso wie die Wiesen vor Festivalbühnen. Aber von ihren ersten Bands bis zur Gegenwart gilt stets dasselbe Grundprinzip: Ein Mann am Schlagzeug und ein Mann an den Keyboards machen elektronische Musik, die so vielfältig ist, dass man sie am ehesten noch mit dem schwammigen Wörtchen Pop zu fassen kriegt.
Da Booka Shade mit diesem Sound eben ihr drittes Studioalbum in fünf Jahren produziert haben, laden Merziger und Kammermeier zum Gespräch in ihr Studio in Berlin Prenzlauer Berg, drei Etagen unterhalb des Büros ihres Labels Get Physical. Die beiden sind in bester Plauderlaune, schließlich dürfen sie die Pflichtübung namens Interviewmarathon endlich auch mal in ihrer Muttersprache absolvieren. Denn während sich das Publikum von Australien bis in die - für Dance Music notorisch schwierigen - USA auf Konzerten, bei College-Radios und auch in den Charts begeistert zeigte, lief die Booka-Shade-Erfolgsmaschinerie in Deutschland eher langsam an. "Wir waren hier einfach nicht so präsent und haben erst mal das Ausland abgedeckt. Wenn du Angebote aus Leipzig und aus Los Angeles hast, sagst du natürlich: Dann mach ich erst eine Amerika-Tour", erzählt Walter Merziger, während er auf einem Sofa an trockenen Croissants knabbert, links und rechts von sich zwei enorme Boxen, hinter denen Goldene Schallplatten verschimmeln.
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