Danger Mouse
Interview: Im Auftrag von The Shortwave Set
29.05.2008, 09:37, Text:
Heiko Behr, Foto: Elke Meitzel
Danger Mouse, die dünnere Hälfte von Gnarls Barkley, gibt eines seiner raren Interviews in London, weigert sich aber konsequent, über seine Großprojekte zu sprechen. Der medienumschwärmte Produzent ganz im Dienste der (noch) unbekannten, kleinen Psychpop-Band The Shortwave Set? Eine Annäherung von Heiko Behr.
Brian Burton, wie Danger Mouse von seiner Mutter gerufen wird, weiß, wie die Mechanismen im Pop funktionieren. Wie zugespitzt wird, vereinfacht und vernachlässigt - alles im Sinne des Aufmerksamkeitspotenzials natürlich. Und er weiß, wie er in diesem Prozess die Kontrolle verlieren kann. Er ist in diese Maschinerie vor vier Jahren reingerutscht: Damals veröffentlichte er das bekannteste Mash-up-Album der Welt, auf dem er einzelne Sounds des sogenannten "White Album" der Beatles mit den A-cappella-Versionen von Jay-Zs 'Black Album' zum 'Grey Album' gekreuzt hatte.
Das illegale Ergebnis schlug ordentlich Wellen, woraufhin die Emi Danger Mouse abmahnte - die Beatles-Samples waren selbstredend nicht freigegeben. Daraufhin wurde der 24. Februar 2004 von einigen Netzaktivisten zum "Grey Tuesday" ausgerufen, sie boten das Album auf zahlreichen Internetseiten umsonst zum Download an. So befand sich ein höchstens Insidern bekannter HipHop-Produzent plötzlich mittendrin in einem Politikum: ein weltbekanntes illegales Album, eine Riesenplattenfirma zum Feind, das Netz auf seiner Seite. Und die Aufmerksamkeit. So kam es nämlich, dass der alte Berufshipster Damon Albarn (Blur, Gorrilaz) auf ihn aufmerksam wurde; prompt durfte Danger Mouse das zweite Album der Cartoon-Megaband Gorillaz betreuen, was ihm dann eine Grammy-Nominierung als "Producer Of The Year" einbrachte.
Fotostrecke:INTRO trifft Danger Mouse in London
Was sich wie ein genialischer Coup liest, ein grandioser Karriereplan, lief natürlich eigentlich ganz anders: Zwei Wochen habe er an dem Mash-up-Projekt geschraubt, erzählte Brian im Nachhinein. Immer in der Angst, jemand könne ihm zuvorkommen, weil die Idee doch so offensichtlich sei. Im Grunde sei nämlich allein die Farbgebung der beiden Ursprungsplatten der Auslöser gewesen. Das Ziel seiner Handvoll Kopien, die er an Freunde verschickte: in Spezialistenkreisen Anerkennung zu bekommen für eine anstrengende Frickelarbeit. Als dann jemand die Platte ins Netz stellte, wurde Brian die Kontrolle über sein Leben entzogen. Man könnte sagen: Obwohl er weiterkämpft, hat er sie bis heute nicht zurückbekommen.
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