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dEUS / Mode Antwerpen

Leben im Detaildorf

23.04.2008, 16:41, Text: Andreas Grüter, Foto: Rainer Holz

Antwerpen ist ein Phänomen - trotz gerade einmal 500.000 Einwohnern hat die Hafenstadt an der Schelde den Ruf eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Europas mit seiner hohen Dichte an exklusiven Galerien, Fashion-Stores, Museen und Designläden sowie der facettenreichen Musiklandschaft. Letztere genießt spätestens seit dem Erfolg von dEUS auch international hohes Ansehen. Andreas Grüter und der Fotograf Rainer Holz nahmen die Veröffentlichung von 'Vantage Point', dem mittlerweile fünften Studioalbum der großen Söhne der Stadt, zum Anlass, die flämische Metropole genauer unter die Lupe zu nehmen.


Gäbe es nicht die tückische Phalanx aus Stau, Sturm und verpassten Abfahrten, die Strecke Köln-Antwerpen wäre in knapp 90 Minuten zu bewältigen. So jedoch brauchen wir zweieinhalb Stunden bis in die Antwerpener Banlieues und weitere 30 Minuten, um uns durch das Einbahnstraßengewirr der Innenstadt zu schlagen. Unser erster Stopp befindet sich hinter einer grünen Holztür, der ein knietief zugemüllter Hinterhof sowie zwei rostige Feuerleitern folgen, die hoch hinauf aufs Dach einer alten Lagerhalle führen.

Begrüßt werden wir von dEUS-Sänger Tom Barman. Er führt uns tiefer hinein in den mit kilometerlangen Kabelsträngen, Verstärkertürmen und Bergen von Instrumenten und Effektgeräten vollgestopften, aber ansonsten recht warmen und heimelig eingerichteten Proberaum. Während sich die Band - schließlich steht man vor einer ausgedehnten Europatour - gleich darauf wieder auf die Proben konzentriert, haben wir erst mal Zeit, uns von Szenerie und Musik inspiriert durch den Raum zu knipsen.

Überhaupt die Musik: R-O-C-K! Und zwar richtig erwachsener. So erwachsen, dass man, um sich heute noch so dazu bekennen zu können, einen völlig klischeebefreiten Masterplan haben muss. dEUS haben diesen und zudem ein recht feines Händchen für behutsam eingebettete Nuancen, Verweise und Details, die erst beim zweiten oder dritten Nachhorchen ihren Zauber so richtig entfalten. Das Grundkonstrukt dazu fand sich zwar schon auf dem 1994 erschienenen ersten und noch recht rauen Album 'Worst Case Scenario' (ja genau, das mit dem Alternative-Überhit 'Suds & Soda'), wurde aber über die Jahre äußerst stringent nachgeschliffen und erstrahlt jetzt in kaum fassbarer Tiefe. Sollte man da überhaupt noch nach Einflüssen fragen?

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aus Intro #160 (Mai 2008)
 
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