Mugison
Grüße aus Súðavík
11.04.2008, 17:35, Text:
arno raffeiner
In den isländischen Westfjorden, im äußersten Nordwesten Europas, findet seit fünf Jahren das Festival "Aldrei Fór Ég Suður" statt. Veranstaltet wird es von Mugison, dem wohl bekanntesten Musiker der Region. In Island ist er mit seinen eigensinnigen Rocksongs bereits ein Star, aktuell tourt er mit den Queens Of The Stone Age durch Kanada und schickt sich an, danach auch Resteuropa zu erobern. Sein neues Album "Mugiboogie" bringt Mugison nun, nach Veröffentlichungen auf Ipecac und Accidental, in Eigenregie heraus - mithilfe der gesamten 180 Köpfe zählenden Dorfgemeinschaft seines Heimatortes Súðavík, die ihn während des wöchentlichen Kaffeeklatsches beim Eintüten der aufwendig gestalteten CDs unterstützt.
Was findest du richtig klasse an Súðavík?
"In Súðavík ist alles um die Ecke. Ich habe zwei Kinder, und von meinem Haus und Studio sind es bloß 200 Meter, die beiden in den Kindergarten zu bringen. Das fühlt sich an, als hätte ich jeden Tag zwei Stunden gewonnen. Meine Frau ist in Súðavík aufgewachsen und war hier, als vor 13 Jahren diese Katastrophe passierte: Eine Lawine zerstörte zahlreiche Häuser, 14 Menschen starben. Das war schrecklich. Es war ein enormer Verlust für die Gemeinschaft. Aber die Leute sind auch danach hier geblieben. Der Spirit ist wirklich einzigartig. Und es gibt viele starke und spezielle Charaktere, die du in größeren Orten nicht so schnell finden würdest. Das ist gut für mich als Künstler, daraus ergeben sich ständig Ideen. Und ich bin gar nicht der weirdste Typ im Dorf, das beruhigt mich."
Was findest du ziemlich mies? Das Wetter vielleicht?
"Nein, ich liebe alles an Súðavík. Letzten Winter hatten wir schreckliches Wetter. Es gab immer wieder Schnee bis hoch zur Dachkante, eine Lawine hat die Straße zum Dorf einmal vier Tage lang versperrt. Dann gibt es keine Milch für den Kaffee mehr, keinen Käse und auch sonst nichts Frisches, sondern nur Dosenfutter. Aber ich liebe das. Ich habe ein riesiges Fenster in meinem Studio, und es fühlt sich super an, einfach hinauszuschauen. Das ist, als wäre man mit seinem Labor mitten in einem Vulkan. Sehr gut, um Ideen zu bekommen. Je schlechter es wird, desto besser für mich."
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