Jamie Lidell
Pariser Landleben
11.04.2008, 17:13, Text:
Sebastian Ingenhoff, Foto: Christian Knieps
[1 Kommentar]
Alles wird neu. Dekonstruierte Jamie Lidell bislang live, nur mit Sampler und Mikrofon bewaffnet, seine Stücke, so wird er diesen Sommer ausschließlich in Begleitung die Bühnen betreten. Passend zur noch konsequenteren Soulwerdung des neuen Albums "Jim". Sebastian Ingenhoff traf den legitimen Erben von Motown auf einen Plausch über neue Möglichkeiten des Musikmachens.
Gut, bereits früher ist der smarte Bademantel-Gigolo Lidell immer wieder mal mit wechselnden Musikern aufgetreten. Es gab zum Beispiel eine Tour mit seinen Kumpels Mocky, Gonzales und Snax. Eine richtige feste Band hatte Jamie jedoch nie - allerdings nicht, da er es nicht wollte, sondern da es zum damaligen Zeitpunkt seiner Karriere einfach zu teuer gewesen wäre. Insofern war die Methode des Livesamplings gleichzeitig ästhetische Entscheidung und ökonomische Notwendigkeit. Und ist nun die Bandwerdung einerseits Resultat der Entwicklung vom abstrakten Klangweirdo zum richtigen Songschreiber als auch des damit einsetzenden Durchbruchs in neue Publikumsschichten.
"Jim" ist die logische Konsequenz dieser Entwicklung und wird diesen Prozess nochmals intensivieren. Die Platte ist, noch mehr als der Vorgänger "Multiply", ein klassisches Soulalbum geworden. Ganz ohne IDM. Klang "Multiply" immerhin noch ein bisschen wie eine gute Stax-Platte im Aphex-Twin-Remix, wurde letzterer Bestandteil nun komplett gestrichen. Lidells musikalische Vorbilder lassen sich so noch klarer raushören: Al Green, Otis Redding, Marvin Gaye und Prince natürlich.
Fotostrecke:Jamie Lidell
Es gibt wieder jede Menge Zitate. Das Stück "Hurricane" spielt beispielsweise ziemlich unverhohlen auf den Hillbilly-Funk von Parliament an. Als ich ihm erzähle, dass ich beim Hören des Songs aber auch an Black Sabbaths "Paranoid" denken musste, und als Reaktion erst mal eine Backpfeife erwarte, grinst er: "Siehst du, genau darum geht es ja in der Musik. Natürlich ist die komplette weiße Rockmusik der letzten dreißig, vierzig Jahre ohne Soul und Funk undenkbar. Und natürlich kann man da auch ein Sabbath-Riff raushören, wenn man will. Ich höre im Übrigen ja auch viel Rockmusik." Seine Rockaffinität geht so weit, dass bei "Out Of My System" am Ende gar die ollen Stones zitiert werden.
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omg 18.04.2008 | 13:50:26
"Ich kann mich gut daran erinnern, bei einem Kneipen-DJ-Set "When I Come Back Around" gespielt zu haben. Nicht wenige Gäste haben sich daraufhin an die Stirn getippt, ihre Mäntel gepackt und sind grußlos gegangen. Gut, das hatte vielleicht auch damit zu tun, dass ich die Platte aus Versehen auf 45 statt auf 33 gespielt habe. Danach war der Laden jedenfalls leer gefegt."
O M G
Editiert von
omg am 18.04.2008 14:13:31
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