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The Notwist

Im Interview: Kontinuität und Wandel

23.04.2008, 15:49, Text: Martin Büsser, Foto: Sibylle Fendt
[1 Kommentar]

The Notwist haben es wieder einmal getan: eine Platte aufgenommen. Und das ist nichts, was mal so locker aus dem Ärmel geschüttelt wird, wie Martin Büsser von ihnen erfahren durfte. Ganze sechs Jahre sind seit der Veröffentlichung von 'Neon Golden' vergangen. Eine neue Platte, das bedeutet bei The Notwist ganz konservativ: ein Werk schaffen, einen Punkt in der Geschichte markieren, eine Zäsur setzen.


Jörg Albrechts Dokumentarfilm 'On/Off The Record' über die Entstehung von 'Neon Golden' hat bereits deutlich gemacht, mit wie viel Akribie The Notwist im Studio vorgehen. Man fühlte sich fast an Jean-Luc Godards Klassiker 'Sympathy For The Devil' (1968) über die Entstehung des gleichnamigen Stones-Songs erinnert. Beide Filme vermitteln das Gefühl, dass hier Geschichte geschrieben wird. Aber ist es 2008 noch zeitgemäß, sich über die Entstehung von Schallplatten (!) so zu unterhalten, als ob danach die Uhren neu gestellt werden müssen? Ist Musik nicht zum Wegwerfprodukt geworden, heute veröffentlicht, am selben Nachmittag gefeiert und am nächsten Tag vergessen?


The Notwist - Where In This World



Schon nach wenigen Gesprächsminuten im Kölner Hotel Chelsea, dem Martin-Kippenberger-Hotel mit dem seltsamen vom Künstler entworfenen Dachaufsatz, der aussieht, als ob dort ein UFO gelandet wäre, steht fest: Hier haben sich ein paar Fossile getroffen. Menschen, die noch an den Wert und die Bedeutung von Tonträgern glauben. Band und Interviewer schwelgen in Erinnerungen. Der Interviewer insbesondere, weil er kurz vor dem Interview eine alte Ausgabe des Zap-Fanzines ausgegraben hat, Oktober 1991. Damals waren wir uns schon einmal begegnet. Es war die erste größere Deutschlandtour von The Notwist, die sie durch meist leere Jugendzentren führte. Viel hat sich seitdem geändert.

Heute sind The Notwist zumindest international das, was man Stars nennt. Aber vieles ist auch gleich geblieben. Obwohl die Band längst aufwendig-akribische Arbeit im Studio leistet und nichts dem Zufall überlässt, sind künstlerische Selbstbestimmung und Do-It-Yourself noch immer zentrale Bezugspunkte im Denken der Acher-Brüder. Punk also. Die Szene, aus der The Notwist kommen. Und genau an diesem Punkt wird klar, dass Punk und künstlerisches Werkbewusstsein keinen Widerspruch darstellen müssen. Im Gegenteil: Es sind gerade die Punks bzw. Ex-Punks, die daran festhalten, dass der Tonträger einen ästhetischen und historischen Wert darstellt. Das haben The Notwist mit Steve Albini und Shellac gemeinsam. Gegen die Trash-Mentalität der iPod-Kids vertreten sie die vermeintlich veraltete Vorstellung, dass Musik ein Kulturgut ist.


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aus Intro #160 (Mai 2008)
 
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  • User: Deine Eltern
  • Deine Eltern 21.04.2008 | 18:57:38

    Schön, nur: Wieso ist denn jetzt der Drummer nicht mehr dabei? Oder habe ich das überlesen?

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