MGMT
Auf Ochsentour
23.04.2008, 19:26, Text:
Martin Riemann, Foto: Joachim Zimmermann
Ben Goldwasser und Andrew Vanwyngarden wollten nie eine Band gründen. Als man sie für 'Oracular Spectacular' ins Studio holte, hatten sich die beiden schon seit einem halben Jahr aus den Augen verloren. Jetzt sind sie als MGMT auf Ochsentour und müssen mit Typen wie Martin Riemann reden.
Mit ihrem Semi-Hit 'Kids' kehren sie nämlich jetzt zurück in die Zukunft. Dieses simple, bis an die Schmerzgrenze mit Emotionen vollgepumpte Stück Electro-Bubblegum hat offensichtlich so eine starke Anziehungskraft, dass die Welt plötzlich offen ist für Prog Rock, Stirnbänder und uncoole Frisuren. "'Kids' ist das allererste Lied, das wir je zusammen geschrieben haben", erzählt mir ein sichtlich erschöpfter Ben Goldwasser, der mit schwarzem Jackett und Bart wie ein griechischer Philosophiedozent aussieht. "2005 haben wir die EP ''Time To Pretend' rausgebracht, aber da war alles noch sehr unorganisiert. Unsere Auftritte waren eher so was wie Karaoke mit Background-Musik vom Band. Es war eher die Persiflage eines Rock-Acts." Offenbar eine sehr gute.
Fotostrecke:MGMT
Als die E-Mail eines Talentscouts des Majors Columbia nach der nicht vorhandenen Band bettelte, war Goldwasser gerade außerhalb von New York, holzhackenderweise auf einem Selbstfindungsprozess, und dachte kaum noch daran, sein Geld mit Musik zu verdienen. Rasch wurde ein sechsstelliger 4-Alben-Deal unter Dach und Fach gebracht, um die frisch gebackenen Rockstars dann ins Studio mit Dave Fridmann zu schicken. Heraus kam ein ziemlich verwegenes Psychedelic-Monster mit dem hirnverbrannten Titel 'Oracular Spectacular', dessen echolastigen, halligen Mushroom-Sound Goldwasser selbst gerne als 'Future 70s' bezeichnet.
Dank Vanwyngardens glasklarem Falsett klingt das Ganze stellenweise, als hätten die Bee Gees mit den Klaxons zu viel LSD genommen. Aber Goldwasser macht lieber andere Referenzen geltend. Er unterstreicht mehrfach den Einfluss seiner Ansicht nach sträflich vernachlässigter Juwelen wie Suicide, Spacemen 3, Royal Trux und Incredible String Band. Dass man ausgerechnet diese Einflüsse bei MGMT kaum heraushört, soll jetzt nicht zur Debatte stehen.
Es zeigt jedenfalls, dass das Duo aus einer sehr verschrobenen Zeitblase heraus operiert: "Es ist schon merkwürdig, dass viele Leute nur die gegenwärtige Musik hören wollen und keine Ambitionen haben, den Kontext zu sehen, aus dem sie stammt. Wir möchten gerne das Publikum mit diesem obskuren Zeug anfixen."
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