Foals
Schöne und schlimme Telefonmomente
04.04.2008, 13:08, Text:
Dana Bönisch
Foals, zu Deutsch Fohlen. Sie sind jung, hektisch und hübsch. Und haben ziemlich viel Hunger. Alles andere ist wenig fohlenhaft an diesen fünf Briten, die zurzeit vergeblich versuchen, der Hypemaschine im eigenen Land zu entkommen. Die wiederum hat zufällig mal etwas für sich entdeckt, das Substanz hat. Und Mathematik. Und Herzschlag.
Dana Bönisch traf zunächst die Pat&Patachon-Besetzung Yannis Philippakis (klein, laut, singt) und Jimmy Smith (groß, still, spielt Gitarre) in Berlin, später die ganze Band(e) in Paris.
Das Foto zeigt eine schmächtige, gräulich-weiße Einbauküche; auf dem Boden zerborstene Spanplatten, Putz, Dreck und einen Haufen nicht weiter identifizierbarer Trümmer, die Wand zu einem dunklen Nebenzimmer fehlt völlig, nur ein Türrahmen steht noch. Die Ikonografie sagt: Bombardement, Gasexplosion, Abrissbirne, Familiendrama. Tatsächlich, so erfährt man durch die Bildunterschrift, hat hier eine Band gespielt - was die genannten Lösungsmöglichkeiten allerdings auf gewisse Weise einschließt. Zumindest in diesem Fall.
Yannis Philippakis ist ein wenig stolz auf diese durchbrochene Wand, die eine Art Emblem der Foals-Geschichte geworden ist. Gleichzeitig enttarnt er die legendären Wohnzimmerkonzerte als Mythos der frühen Tage, auf den die britischen Medien allzu sehr abfuhren. Es hatte zwar einige gegeben - wobei "Wohnzimmer" schon fast zu hoch gegriffen ist, tatsächlich handelte es sich eher um College-Doppelzimmer oder schmale Flure -, doch der mediale Vervielfältigungseffekt durch YouTube und Abschreibepraktiken führten zu ein wenig Übertreibung.
Jedenfalls, was die Quantität der Flurshows betraf; die Ur-Erzählung über einen euphorischen Mob und ausgeschlagene Zähne stimmt. "Sieht so aus, als würden wir von der gleichen Maschine aufgefressen, der wir immer sehr skeptisch gegenüberstanden. Man kann nicht dagegen ankämpfen. Je mehr man das tut, desto tiefer steckt man drin", sagt Philippakis, der in seinem atemlosen Oxford-Englisch genauso gerne über die Unmöglichkeit von Originalität in der Postmoderne wie über Whiskypisse und die Lebenserwartung von Fischen doziert.
Oxford, auch so ein Thema: Die Times schliff die Foals hübsch griffig zu fünf "Oxbridge Drop-outs" ab; tatsächlich waren nur Sänger Yannis und Edwin Congreave, der Mann für die Tasteninstrumente, an der Traditions-Uni eingeschrieben.
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...




