
Adam Green
Frankensteins Seele
20.02.2008, 12:44, Text:
Henrik Drüner, Foto: Sibylle Fendt
[2 Kommentare]
Anlässlich seines neuen Albums 'Sixes And Sevens' traf Henrik Drüner Adam Green und hatte - nicht nur zur Platte - einige Fragen.
Mit welchen Ambitionen bist du an das aktuelle Album herangegangen?
Beim Songwriting sollte es definitiv Veränderungen geben. Viele Songs klingen wie vorher noch nie da gewesen, besonders gesanglich. Auf 'Jacket Full Of Danger' hatte ich das Showman-Ding vergessen. Diesmal wollte ich einen richtig smoothen Bariton-Crooner verkörpern, und ich fand, das ist ein aufregendes Projekt, es über ein ganzes Album durchzuziehen. Alles ganz geschmeidig, trotzdem bombastisch und männlich. Wie das Video zum Song 'Morning After Midnight' über eine traurige alte Drag-Queen, gedreht in Schwarz-Weiß, mit Parallelen zu 'Control'.
Hast du den Film gesehen?
Ja, großartig! Eine angenehm erzählte Story, sehr schön geschnitten. Schwer umzusetzen ist so etwas bei Ray Charles oder Johnny Cash, aber hier geht es nur um ein Jahr. Nicht gefüttert mit obszönen Montagen, sondern mit schlichten Dialogen. Und das Schwarz-Weiße passt super. Ich bin auch ein großer Joy-Division-Fan, wollte immer Goth sein. Daher bin ich etwas enttäuscht, dass mich die Medien nie als solchen wahrgenommen haben. Ich denke, ich bin es - wenn auch in einer veralteten Weise im Stile von Lord Byron und Percy Shelley [zwei britische Dichter zu Beginn des 19. Jahrhunderts]. Es steckt etwas von Frankenstein [Mary Shelleys Roman von 1818] in meiner Seele.
Zumindest klingst du beim Großteil der Songs sehr relaxt ...
Ich hatte diesmal auch richtig viel Zeit, hab tagelang hintereinander im Studio verbracht und die Gesangsspuren teilweise erst um drei Uhr morgens eingesungen. Beim letzten Album war es eher ein Tagesjob: elf Uhr hin, nachmittags Aufnahme, abends wieder raus. Aber die Vibes eines Songs konnten sich so nicht entfalten. Diesmal war es anders, auch weil ich viel mit Produzent Dan Myers unterwegs war, Pizza essen oder lange Gespräche auf dem Parkplatz über die Ambitionen der Songs. Nach drei Wochen konnte ich sagen: \"Warum nehmen wir nicht noch eine Mundharmonika?\" Er: \"Klar, spiel Mundharmonika!\" Genauso mit Posaune oder Bongos. Insofern bin ich sehr glücklich über den Verlauf der Aufnahmen.
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kopfpauschale 01.04.2008 | 11:59:02
diesmal würd ich ihm zu wenig musikalischen mut bescheinigen...das klingt alles ganz toll, aber die irgendwo aufgeschnappte kritik, es ginge ihm fast ausschließlich um klangpointen, kann ich ein klein wenig nachvollziehen...
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