
Malcolm Middleton vs. Aidan Moffat
Dein Herzblatt
20.02.2008, 12:37, Text:
Christian Steinbrink
Auch wenn manche es immer noch nicht so recht glauben mögen: Arab Strap, die großartigen, todtraurigen und lüsternen Schotten, sind Geschichte. Die beiden Bandmitglieder, Malcolm Middleton und Aidan Moffat, haben schon zu Lebzeiten von Arab Strap Solokarrieren gestartet und bringen gerade fast zeitgleich neue Alben heraus. Eine gute Gelegenheit, beide dazu zu befragen, wie sie denn heute die Arbeit des Ex-Partners bewerten.
Hast du die neue Platte des anderen gehört? Wie findest du sie?
MM: Ja, ich habe sie gehört und finde sie beeindruckend. Es ist kein musikalisches Album im klassischen Sinn. Es fühlt sich eher an wie ein naher Freund, der dir von sehr persönlichen Aspekten seines Lebens erzählt. Aidan hat das großartig gemacht, er hat einen Weg gesucht, Musik und Literatur zu verbinden, und er hat ihn gefunden. Seine Sprache ist so rau, hart und unmittelbar. Eine wunderbare Platte. Ich weiß nicht genau, ob die Leute das ganze Konzept der Platte so nachempfinden werden. Dass man erst die Kurzgeschichte lesen und dann die Tracks hören muss, damit alles Sinn ergibt. Ich hoffe es, aber in Zeiten, in denen die Leute vornehmlich einzelne Tracks downloaden, wird es schwierig. Man muss schon das ganze Album mit seinem Artwork kaufen, um es richtig nachvollziehen zu können. Die Platte stellt besondere Ansprüche an den Hörer. Aber gerade das gefällt mir sehr gut.
AM: Ja, Malcolm hat sie mir vor ein paar Tagen gegeben. Ich finde sie toll, viel besser als \\"A Brighter Beat\\" davor. Die ruhige Stimmung und die reduzierten Arrangements passen viel besser zu ihm und seinem Gesang. Und er ist und bleibt ein großartiger Musiker und Songwriter.
Hätte die Platte des anderen im Kontext von Arab Strap veröffentlicht werden können? Wäre sie unter dem Banner von Arab Strap überhaupt denkbar gewesen?
MM: Nein, wohl nicht. Arab Strap wollten immer Songs schreiben. Wir wollten Musik machen.
AM: Wahrscheinlich nicht. Malcolm war immer der musikalischere Typ. Für \\"I Can Hear Your Heart\\" zum Beispiel wollte ich keine zu ernsten Tracks, der Sound hinter den Texten sollte eher ein wenig cheesy und nebensächlich klingen. Er sollte eher einen spaßigen Hintergrund, einen Kontrast liefern. Das hätte Malcolm für Arab Strap wohl nicht gut gefunden, auch wenn unsere gemeinsamen Platten lang nicht so traurig waren, wie sie immer wieder bewertet wurden.
Was sagst du zu den Entscheidungen, die der jeweils andere für seine Solokarriere getroffen hat? Passen sie zu ihm, und hast du diesen Weg so von ihm erwartet?
MM: Na ja, es ist ja gerade erst etwas mehr als ein Jahr her, dass wir uns getrennt haben. Und er hat neben dieser Platte ja auch andere Projekte am Laufen, z. B. Lucky Pierre und Aidan Moffat & The Best-Ofs, die deutlich mehr von dem haben, was wir als Arab Strap gemacht haben. Außerdem bin ich wohl noch zu nah dran, um das wirklich beurteilen zu können, schon heute Abend treffen wir uns wieder auf ein Bier.
AM: Schwierig. Ich wusste immer, was für ein toller Songwriter er ist und dass er Musik machen könnte, die viel Aufmerksamkeit erreichen würde. Er hat sich dafür entschieden, schnell mehrere Platten mit einem hohen Aufwand zu produzieren. Er ist und war immer ein sehr harter Arbeiter. Ich dagegen brauchte nach Arab Strap erst mal eine Pause, um zur Ruhe zu kommen und andere Dinge auszuprobieren.
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