
Cosmic-Disco
Zwischen den Rillen der Strand
18.02.2008, 18:07, Text:
Sebastian Ingenhoff
[2 Kommentare]
Mehr als zwei Jahre ist es her, dass zu Lindstrøms ätherischem Soundtrip \"I Feel Space\" euphorisiert über die Tanzflächen gesegelt wurde. Schlagworte wie \"Space\"-, \"Cosmic\"- und \"Balearic\"-Disco machten die Runde. DJs, die was auf sich hielten, spielten Stücke, welche sich in ungewöhnlich niedrigen bpm-Bereichen bewegten. Sebastian Ingenhoff zieht Zwischenbilanz.
Disco meinte in diesem Zusammenhang nicht die Kasperle- und Kirmesvarianten des Genres, die zur selben Zeit über Alben wie \"Confessions On A Dancefloor\" von Madonna auch noch mal aufgekocht wurden, sondern bezog sich auf Künstler, die sich von Afrobeat, Psychedelik und Krautrock ebenso inspirieren ließen wie von den französischen Elektronikpionieren Space (die 1977 mit \"Magic Fly\" einen Riesenhit hatten) oder DJs wie Danielle Baldelli.
Dass Cosmic mehr war als nur ein ephemerer Retrotrend, zeigt sich jetzt in aller Deutlichkeit: Harmonien und Wärme sind wieder gefragt in den Clubs dieser Welt. Produziert wird nicht nur mit dem Computer, sondern zu großen Teilen mit echten Instrumenten. Die Mentalität, die sich durchgesetzt hat, könnte man fast schon \"Authentizitätsbewusstsein\" nennen, wäre es oberflächlich gesehen nicht so lächerlich, im Zusammenhang mit \"Disco\" von Authentizität zu sprechen. Authentizität meint hier auch keine Befindlichkeitslyrik, kein übertriebenes Muckertum, keine \"echten Kerle\" oder sonstigen Schmu, sondern ein vorsichtiges Streben in der elektronischen Musik gegen die Kälte reiner, nennen wir es ruhig plakativ: \"Maschinenmusik\".
Die Szene (wenn überhaupt von einer solchen die Rede sein kann) ist zumindest in Deutschland ziemlich überschaubar. Vertrieben wird über kleine Indies und fast ausschließlich über Vinyl. Ein bisschen verdreht wirkt es schon: Wo die Musikrichtung \"Indie\" längst bei den H&Ms und Rock am Rings dieser Welt angekommen ist, spielen bei den hier vorgestellten Disco-Acts und -Labels DIY-Attitüden tatsächlich eine sehr große Rolle.
Life's A Beach - Studio
Das schwedische Bandprojekt Studio veröffentlichte bereits Mitte letzten Jahres sein fulminantes Album \"Westcoast\" auf dem eigens dafür gegründeten Label Information. Die Platte enthält sechs epische Songs, von denen zwei rein instrumental sind und eine Spieldauer von über zehn Minuten haben. Das letzte Stück trägt den vielsagenden Namen \"Life's A Beach\". Das Cover des Albums erinnert mit dem weißen Kreis auf schwarzem Hintergrund nicht von ungefähr an die Gestaltungen des Factory-Designers Peter Saville: Neben zahlreichen Verweisen auf Cosmic-Disco und Krautrock (interessanterweise nennt das Duo Manuel Göttschings Band Ash Ra Tempel als wichtigsten Einfluss aus diesem Bereich) lassen sich nämlich auch Manchester-Rave-Einflüsse heraushören, vor allem die vier Songs mit Gesang sind dermaßen verhallt und psychedelisch, als seien sie der ersten Stone-Roses-Platte entsprungen. Studio war von vorneherein als reines Studioprojekt konzipiert - nach Eigenaussage gaben die beiden in ihrer gut zehnjährigen Bandgeschichte erst acht Konzerte. Und zukünftig werde man gar nicht mehr live spielen, die neuen Stücke seien für eine Zwei-Mann-Band einfach zu komplex.
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Mehrteurer 05.03.2008 | 19:29:40
Hitschlampe
wer sich über Cosmic Disco informieren möchte und nicht dem hier vorliegenden gefährlichen Halbwissen erliegen mag, soll sich bitte eine zwei bis drei Jahre alte Ausgabe des Magazins Groove zur Hand nehmen, in dem das Thema Cosmic Disco mit Liebe und Sorgfalt behandelt wurde.
Für Hörproben klicke man sich durch die Website von GOMMA.
Da sind unter anderem alte Tapes vom Herrn Baldelli und DJ Loda zu finden.
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