
Audiolith / Cobretti
Labelporträit: The Dance Inc.
15.02.2008, 18:13, Text:
linus volkmann, Foto: Katja Ruge
[6 Kommentare]
Fickeriger Electro-Rave, der mitunter an U96, Eiffel 65 oder 'Hardcore Vibes' von Dune erinnert und von Leuten betrieben wird, die eigentlich aus Punk und Hardcore kommen. Wie geht denn so was? Die Hamburger Labels Cobretti und Audiolith beweisen, dass es Leben in Pop abseits von Röhrenjeansgitarren gibt. Linus Volkmann kam gleich bei ihnen zu Hause vorbei und schnüffelte rum. Er fand weit mehr als ein 90s-Revival und traf auf der Trabrennbahn The Dance Inc.
Im HipHop besitzt der Opener zumeist die Anchorman-Funktion - es geht darum zu postulieren, dass irgendwer wieder da sei und wie er alle anderen jetzt wegblasen würde und man solle sich in Acht nehmen. Bei so viel drögem Wiederholungseifer dämmern wir Opfer ja schnell mal weg. Schnarch. Der erste Song der Compilation 'Weihnachten mit Cobretti' bringt zwar keinen HipHop, dafür aber eine Ansage - und was für eine. "Hallo Freunde, es ist an der Zeit, ›Danke‹ zu sagen. An Der Tante Renate, Plemo, Juri Gagarin, DJ Kante, Tipo Van Scoop, Tomarcte, Jim Panse, Schmidt Und Schmidtchen ... your heart is our beat!" Erinnert das nicht an Scooters 'Hyper Hyper'? Das auf ewig verpöhnte Pamphlet, das die dort Genannten seinerzeit schockte und peinlich berührte? Ist so ein Bezug überhaupt erlaubt? Vor allem einer, der daraus keine Gag-Travestie mit eingespielten Lachern macht?
Offensichtlich. Die Tune-Einstellungen des Yamaha-Keyboard-Soundalikes stehen dabei auf Sturm und Trumpet. So was hat man seit Eurodisco doch nicht mehr gehört. Und das ist erst der Anfang. Auf diesem Sampler folgt noch einiges aus dem No-Go-Katalog der Synthie-Voreinstellungen. Man sagt sich instinktiv: Wenn ich diesen Trend nicht sofort verbieten kann, will ich umgehend mitmachen.
Stadt
Cobretti stellt dabei nur die Spitze des Eisbärs dar. Wenn man tiefer bohrt nach diesem neuen seltsamen Sound, dieser neuen Präsentationswut für Coming-of-Age-Beat-Punk, stößt man schnell auf Audiolith. Wobei die beiden Labelbetreiber sich offenbar kennen, der eine sei der Putzerfisch des anderen oder so ähnlich. Jetzt reicht's, die werden aufgesucht. In Hamburg, im strömenden Regen, zu Hause bei Lars Lewerenz von Audiolith. Und DJ Kante von Cobretti ist auch schon da. Hamburg, stell die Verbindung her - und zwar nicht zu knapp. Denn so verstörend und individuell der musikalische Aspekt sich ausmacht, so wenig trifft man hier auf Eremiten der Marke Eigenbau. Denn obwohl sich die Szenerie viel durch anonyme, niederschwellige Netz-Kontakte speist, kommt einem das Bandkarussell, auf dem man hier Platz nehmen kann, nicht wirklich fremd vor.
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seemon 22.02.2008 | 11:32:06
schön, dass ihr mal "die richtigen" supportet.
ösel 22.02.2008 | 13:20:20
Polterkowski & Söhne
Genau. Wenn ich bedenke, wie liebevoll sich Lars neulich noch um mein von der Post verbaseltes T-Shirt kümmerte, dann komm ich auch zu dem Schluss, dass das "die Guten" sind.
lucktrone 22.02.2008 | 13:27:40
summer fever!
100%
weiche zäune 22.02.2008 | 14:06:11
love love love yeah
"die spitze des eisbärs"
dinosaurier 04.03.2008 | 01:51:24
wurde zeit das mal richtig darüber geschrieben wird. oder gab es schon frühere artikel? weiß ich jetzt nicht. to be audiolithed..
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