Neon Neon

Im Autoradio spielt die Zeitmaschine

15.02.2008, 17:41, Text: arno raffeiner

Die Konjunktur der Biopics ist ungebrochen. Dank Neon Neon (alias Gruff Rhys und Boom Bip) gibt es skandalträchtige Lebensgeschichten ab sofort auch im Musikformat. Arno Raffeiner hat sich ihr Synth-Hop-Musical über John De Lorean, den ersten Playboy-Ingenieur des Planeten, angehört.


Bryan Hollon zögert. Die Frage, wie sexy er Maschinen findet, bringt den amerikanischen Produzenten, der zu Hause in Los Angeles gerade erst über seinem Frühstückstee sitzt, so früh mittags etwas aus dem Konzept. \"Na ja, ich spreche jetzt bestimmt nicht von meinen persönlichen Vorlieben\", brummt er ins Telefon, \"aber gerade in L.A. gibt es viele sehr maskuline, grässliche Typen, die ihre Frauen wie ihre Autos behandeln und umgekehrt. Ich denke schon, dass man Fahrzeuge oder andere technische Gerätschaften sexualisieren kann. Aber falls du wissen möchtest, ob mich ein bestimmtes Gerät in meinem Studio wahnsinnig anzieht: nein, nicht wirklich.\"

Auch wenn Bryan Hollon (alias Boom Bip) erst mal bestreitet, Maschinen anziehend zu finden: Eine Kombination aus gebürstetem Edelstahl, Flügeltüren, Sechszylindermotoren, kaputten Ehen und fingierten Drogendeals scheint doch recht inspirierend auf ihn gewirkt zu haben. Schließlich hat der bisher für seinen Laptop-HipHop bekannte Boom Bip zusammen mit Gruff Rhys, dem Sänger der Super Furry Animals, unter dem Namen Neon Neon gerade ein Konzeptalbum über genau diese Themen aufgenommen. Der blitzblank polierte Synthie-Pop ihres ersten gemeinsamen Albums 'Stainless Style' (inklusive Spritztouren zu Grime-Beats und Abstechern zu Mainstream-Rock) sowie das eher ein- als zweideutige Artwork sprechen in Sachen Maschinen-Sex eine unmissverständliche Sprache.


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