Tegan And Sara

Us and them - over and over again

15.02.2008, 16:40, Text: Felix Scharlau

Zu zweit geht alles schneller: Mit 27 Jahren veröffentlichen Tegan And Sara schon ihr fünftes Album. Nach Deutschland kommt es mit neunmonatiger Verspätung und wohl wieder unter weitgehendem Ausschluss der medialen Öffentlichkeit. Der Band und ihren vielen Fans weltweit ist das längst egal. Sie sind ein Team.




Tür auf, hinsetzen, los geht's. Sara Kiersten Quin redet entgegen ihres Rufs, der unsicherere Part der 1980 in Calgary geborenen eineiigen Zwillinge zu sein, wie ein Wasserfall. Warum auch nicht? Im Rahmen der deutschen Promo-Tage zur vielerorts schon im Juli 2007 erschienenen Platte \"The Con\" muss sich der um Minuten jüngere Zwilling nicht mehr mit bescheidenen Erfolgsprognosen aufhalten. Sara sagt, wie das Album lief - bisher nämlich sehr gut. Anderes prognostizierte Mitte letzten Jahres offenbar die deutsche Dependance von Warner und verschob die Veröffentlichung. Stattdessen buchte man nach Jahren erste Deutschland-Konzerte und verlegte diese bald in größere Locations. Ergebnis: alle ausverkauft.

\"An der Stelle begann Warner dann einen Zeitplan zu entwerfen. Gleichzeitig begann meine Frustration\", erinnert sich Sara. \"Denn wir leben in einer Zeit, in der jemand das, wofür er sich interessiert, sofort will und normalerweise bekommt. Und wenn es erst in einer Woche verfügbar ist, stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Interesse dann weg ist. Mich macht das aber auch wütend. Warum, zur Hölle, brauchst du mein Album noch mal genau jetzt? Kannst du nicht wenigstens noch mal kurz warten? Zwischen diesen beiden Positionen fühlte ich mich hin und her geworfen - weil ich die Label-Position verstand, andererseits aber auch ständig dachte: ›Jetzt gebt den Leuten doch endlich, was sie wollen!‹\"

Was Fans jetzt endlich auch hierzulande bekommen - sofern sie nicht schon längst via Import zugeschlagen haben -, ist in oberflächlicher Hinsicht ein banales Album. Banal, weil es dem schon vor Jahren perfektionierten Tegan-And-Sara-Stil - einer Art empathischen Jukebox aus meist zweistimmig vorgetragenen Indie-Rock-Songs, in denen Einsamkeit, Zweifel und Beziehungsstress grassieren - wenig Neues hinzufügt. Außer eben weitere tolle Songs wie \"Nineteen\", \"The Con\" oder \"Back In Your Head\". Und einen viel differenzierteren Sound als auf den letzten Platten, dank Chris Walla.
\"Ich habe den Eindruck, dass wir gute Songwriterinnen sind und darin von Album zu Album besser werden\", findet Sara, schiebt eine viel wichtigere Eigenschaft ihrer Band aber erst nach kurzem Zögern nach: \"Was aber wirklich die Verbindung zwischen den Fans und den Songs herzustellen scheint, sind offenbar wir beide.\"

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aus Intro #158 (März 2008)
 
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