Kitsuné

Die Klassik der Oberflächen

22.01.2008, 12:47, Text: arno raffeiner, Foto: Nathalie Genet

Sie sind die Style-Apostel des Neuen Rave. Mit Kitsuné haben Gildas Loaëc und Masaya Kuroki aus Musik, Mode und Grafik ein holistisches Pop-Universum erschaffen. Arno Raffeiner hat der exklusiven Boutique der Hitsammler und Modehipster im Herzen von Paris einen Besuch abgestattet.


Erstes Arrondissement in Paris, Samstagnachmittag. Mein Weg führt mich weg vom goldverzierten Opernhaus in Richtung der Seine, vorbei an einem japanischen Restaurant neben dem nächsten, an kleinen Läden, die Antiquitäten oder Bilderrahmen anbieten. Der Geruch von altem Gemäuer, Baedeker-Reiseführern und dicken Brieftaschen liegt in der Luft. An der Ecke zur beschaulichen Rue Thérèse sitzt Dichterfürst Molière auf seinem Denkmal und schaut etwas finster auf diesen Erlebnispark bieder-bürgerlich angestaubter Konsumkultur herab. Links davon befindet sich die Anlage des Palais Royal, geradeaus weiter wäre man in einer Minute beim Louvre. Keine zwanzig Meter entfernt von Molières Thron, eingezwängt zwischen diesen Repräsentativbauten imperialer Macht, liegt in der Rue Thérèse ein unscheinbarer Eingang. Kein Schriftzug, noch nicht mal ein kleines Logo weisen darauf hin, dass sich hier eine der zentralen Schaltstellen des Pophipstertums der vergangenen Jahre befindet. Kitsuné macht weltweit in den Clubs viel Krach, bei sich zu Hause aber mag man's edel.

Stünde vor diesem Eingang nicht ein 60er-Jahre-Yves-Saint-Laurent mit blonder, wogender Haarpracht und schwarzer Hornbrille, der mich freundlich in Empfang nimmt, man könnte ihn glatt übersehen. Maxime Souverain, PR-Assistent bei Kitsuné Music, versorgt mich so lange mit Fakten rund um das Label, bis jemand mit einem Schlüssel auftaucht. Denn der Kitsuné-Shop ist noch geschlossen. Auf das Samstagsgeschäft wird offenbar gerne verzichtet, und überhaupt kann hier nur nach Vereinbarung eingekauft werden.

Nach Maximes Zusicherung, dass sich auch die neue Kitsuné-Boutique, die noch im Februar eröffnen soll, ebenfalls im ersten Arrondissement, direkt neben dem Palais Royal, kommt auch schon Masaya Kuroki als Sesamöffnedich um die Ecke. Der Mode-Chef von Kitsuné streift sich sorgfältig die Schuhe ab, bevor er den Laden mit dessen geschätzten acht Quadratmetern dunkelblauem, samtgleichem Teppichboden betritt. Das Kitsuné-Schmuckkästchen in der Rue Thérèse wirkt von innen besehen ebenso klein wie aufgeräumt. Rechts hängen an Kleiderhaken einige Stücke der aktuellen Kollektion, links sind auf einem schmalen Mauervorsprung ein paar Compilations und neue Maxis aufgereiht. An der Rückwand führt hinter weiß bemalten Holzbalken eine Wendeltreppe hinauf zum Büroraum der Modeabteilung.


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aus Intro #157 (Februar 2008)
 
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