Hot Chip

Wrestling mit Stil

21.01.2008, 11:10, Text: Sebastian Ingenhoff, Foto: Dominik Gigler
[1 Kommentar]

Wenn jemand dieser Tage die Zuschreibung Konsensact verdient, dann Hot Chip. Die Londoner Boy-Brigade ist nicht erst seit ihrem umwerfenden Auftritt beim Melt! 2006 ein Garant für viel Spaß an der Schnittstelle von Indie, Minimal und Popspektakel. Anlässlich des neuen Albums \"Made In The Dark\" besuchte Sebastian Ingenhoff die Band in London. Fotografiert hat Dominik Gigler. Alex Major befragte sie zu ihrem neuen Husarenstreich: der Kollaboration mit Scritti Politti.




Der graue Himmel hängt wie Asche über der englischen Hauptstadt an diesem milden Novembertag. Dunkle Wolken sind in London natürlich nichts Außergewöhnliches. Aber irgendwie ist heute alles noch eine Spur grauer als sonst, und das liegt nicht nur am Himmel: Gestern Abend hat die englische Fußballnationalmannschaft die Teilnahme an der Europameisterschaft vergeigt durch ein 2:3 gegen Kroatien; und das, wo obendrein auch noch No Music Day war. Da schießt Mladen Petric die Briten mit seinem Siegtor in den Hades, und der Stadion-DJ darf nicht mal das ewig tröstende \"You'll Never Walk Alone\" spielen, weil Bill Drummond es ihm verboten hat. Kein Wunder, dass man da als Fußballrowdy mit Barhockern um sich wirft.

Man kann nur hoffen, dass die Lage sich bis heute Abend entspannt haben wird, wenn Hot Chip im Camdener Club Electric Ballroom ihr neues Album 'Made In The Dark' präsentieren. Der Titel passt jedenfalls zur Stimmung wie die berühmte Faust des englischen Hooligans auf das Auge des EM-Teilnehmers; obwohl man sich in Camden Town eher weniger Sorgen um Hooligans machen muss. Hier gibt es vorwiegend Gothics, Punks, kleine Teenager-Hipster und umherstreunende Touristen. Und jede Menge Drogenverkäufer. Fast jeder Zweite auf der High Street (!) bietet irgendwas aus seinem Bauchladen feil. Meistens Marihuana oder Mushrooms. Ich lehne dankend ab. Einer der Dealer wirkt sichtlich verdutzt, er kann offenbar nicht glauben, dass ihm ein Typ, der so aussieht wie ich, eine Abfuhr erteilt. Aber Mushrooms habe ich nur einmal aus Versehen genommen, weil ich dachte, es sei Schokolade. Amselgleich bin ich durchs Kölner Nachtleben geflogen und habe nicht wenigen Leuten wirre Geschichten erzählt. Das muss heute Abend nicht sein. Schließlich treffe ich nicht William Burroughs, sondern die derzeit weltbeste Popband.

Digital Recording Heroes

Man neigt schnell dazu, über die Musik der fünf Briten in Superlativen zu sprechen. Denn für Leute, die sich für Clubkultur und gute Popsongs gleichermaßen interessieren, kann es derzeit keine aufregendere Band geben. Zwei Jahre nach dem Meilenstein 'The Warning' veröffentlicht diese nun 'Made In The Dark'.
Bislang sind die Stücke immer in mühevoller Kleinstarbeit in den Schlafzimmern der Bandmitglieder entstanden, ganz in der Tradition der \"Digital Recording Heroes\", ein Begriff, der in den letzten Jahren auf Eigenbrötler wie Mike Skinner oder Dizzee Rascal angewendet wurde, die allesamt auf große Studios verzichtet haben.

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aus Intro #157 (Februar 2008)
 
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  • atze404 18.06.2008 | 16:23:05

    Jetzt ja schon fast historisch, der Beitrag. Man spricht jetzt wohl auf jeden Fall von Superlativen in Zusammenhang mit Hot Chip.

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