
Urban Exploration
Spukhäuser in Deutschland
26.11.2007, 12:00, Text:
Benjamin Walter, Foto: Rainer Holz
[5 Kommentare]
Wo bleibt das echte Leben zwischen Mystery-Montag auf ProSieben und dem anhaltenden Horrorboom im Kino? Und wo bleibt die wirkliche Angst vorm Dunkeln? Benjamin Walter entdeckte einen neuen Aspiranten für das Archiv der Subkulturen. Er ging dahin, wo es finster und unheimlich ist: in verlassene Häuser und Fabriken. Rainer Holz fotografierte den nächtlichen Spuk-Ausflug.
Es ist schon kurz vor Mitternacht, als wir vor der alten Brauerei Devel, irgendwo in einer kleinen Stadt bei Düsseldorf, ankommen. Da steht nun unser erstes Ziel in dieser Nacht: ein hoher, ziemlich kaputter Klinkerklotz. Neben dem Lidlmarkt und der Bäckerei, gegenüber von Wohnhäusern und mitten im Ort. Das hatten wir uns ja nun völlig anders vorgestellt. Wir schalten unsere Taschenlampen ein, ziehen die Kapuzen über den Kopf und betreten schweigend das Gelände. Unsere Lichtkegel tasten über die geschwungene Fassade, streifen über kleine runde Fenster, Giebel und Mauervorsprünge. Durch eine kaputte Tür betreten wir gebückt den ersten Raum, der außer einem zerfetzten Vogelgerippe leer ist, und leuchten uns gegenseitig mit den Taschenlampen ins Gesicht. Natürlich nicht aus Angst, aber es tut doch gut, gerade jetzt ein bekanntes Gesicht zu sehen. Hier gibt es etwas für uns zu entdecken, wahrscheinlich keine Geister, dafür aber \\\"den Unterschied zwischen gelesen und dabei gewesen\\\", wie es einer der Begleiter im Vorfeld formulierte.
Spuk - Subkultur 2.0
Etwas professioneller und nicht zwangsläufig nachts betrieben, nennt sich das Aufspüren und Erkunden von verlassenen Häusern und Industrieanlagen \\\"Urban Exploration\\\". Die dazugehörige Szene ist lose über Websites und Internetforen organisiert, hauptsächlich steht dabei das Entdecken von neuen Locations und die Präsentation von Fotogalerien im Vordergrund. Die genauen Anfänge dieses Hobbys liegen im Dunkeln, die private Erkundung und Dokumentation von unterirdischen Abwasser- und Tunnelsystemen war aber in den USA schon vor 15 Jahren populär. \\\"Urban Exploration\\\" entwickelte sich dann überirdisch weiter und wurde weltweit unter diesem Namen bekannt. Die umfangreichsten Websites wie www.opacity.us werden immer noch von Amerikanern betrieben. Aber auch in Deutschland ist das Hobby angekommen. Zwar nicht in der öffentlichen Wahrnehmung, doch gerade im Ruhrgebiet hat sich eine aktive Szene gebildet.
Mit die schönsten Fotos im Netz und ein hochfrequentiertes Forum findet man auf www.ortederangst.de. Die Seitenbetreiber Lao und Maz aus Essen präsentieren seit 2001 auf ihrer Seite sowohl klassische \\\"Urban Exploration\\\" mit dem Schwerpunkt auf alter Industrie als auch viele angebliche Spukhäuser und unheimliche Orte mit den dazugehörigen mal mehr, mal weniger wahren Legenden. Das alles in schön übertriebenem blutrünstigem Webdesign und mit regelmäßigen Updates zu neuen Locations.
Laos bejahende, aber nicht missionarische Einstellung zum Thema Spuk stößt dabei nicht überall auf Gegenliebe: \\\"Das ist auch ein Problem in der Szene. Je nachdem, auf welcher Seite man steht - entweder auf der Geisterseite oder auf der anderen Seite. Wenn man in manchen Foren sagt: ›Da wird es wahrscheinlich spuken‹ oder ›Irgendwas war da komisch‹, dann ist das Geweine groß.\\\" Aber auch für ihn steht der Spuk nicht zwingend im Vordergrund: \\\"Wichtig ist mir nur die Atmosphäre direkt vor Ort, dass man da reingeht und das sieht. Die Architektur, die spezielle Stimmung, die an diesen Orten herrscht, und der Verfall. Das ist das Ausschlaggebende.\\\"
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Frigo 27.11.2007 | 12:39:00
Futon-Revolutionist.
Bei Amazon kaufen
Pumuckl DVD 01: Spuk in der Werkstatt / Das verkaufte Bett
Universal/Music/DVD
EUR 14,95
*klick*
Felix Scharlau 27.11.2007 | 13:48:04
Mobilfunk deutlich teurer
unheimlich sind weiterhin:
"die drei ??? und das gespensterschloss"
"die nacht der reitenden leichen"
sowie
"mario barth - männer sind schweine, frauen aber auch"
Tomalak 27.11.2007 | 14:26:06
runner vonn de Gass
was hat urban exploring mit Spukhäusern zu tun?
vielleicht nichts?!
ines Sundermann 31.12.2007 | 12:36:52
Laos bejahende, aber nicht missionarische Einstellung zum Thema Spuk stößt dabei nicht überall auf Gegenliebe: "Das ist auch ein Problem in der Szene. Je nachdem, auf welcher Seite man steht - entweder auf der Geisterseite oder auf der anderen Seite. Wenn man in manchen Foren sagt: ›Da wird es wahrscheinlich spuken‹ oder ›Irgendwas war da komisch‹, dann ist das Geweine groß."
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